Ein Sonnenaufgang über den Hügeln des Böhmerwaldes
Ein Gärtopf mit Sauerkraut und einem Krautstampfer auf rustikalem Brett

Sauerkraut selber machen – einfaches Rezept, Wirkung und Fermentation erklärt


Es gibt Lebensmittel, die mehr sind als Nahrung – sie sind Kultur, Geschichte und Handwerk zugleich.
Sauerkraut gehört dazu.
Aus nichts als Weißkohl, Salz und Zeit entsteht ein Gericht, das Generationen durch den Winter gebracht hat – ganz ohne Strom, ohne Konservierungsstoffe, ohne Industrie.

Schon unsere Großeltern wussten: Wer Sauerkraut im Keller hat, hat immer etwas Gutes im Haus.
Und wer es einmal selbst gemacht hat, versteht, warum – es riecht nach Geduld, nach Leben und ein bisschen nach Freiheit.

Bevor wir zur Zubereitung kommen, lohnt sich ein Blick auf das Prinzip dahinter:
Beim Fermentieren verwandeln natürliche Milchsäurebakterien den Zucker des Kohls in Milchsäure.
So wird das Kraut haltbar, bekömmlich und vitaminreich – ganz von selbst.

Und das Beste: Du brauchst nichts weiter als ein Messer, ein paar Hände und einen Gärtopf.

Das Grundrezept – Sauerkraut selber machen

Zutaten (für etwa 5 kg Sauerkraut):

  • 5 kg Weißkohl (fest, spät geerntet)
  • 100 g Salz (2 % vom Kohlgewicht)
  • optional: 1 TL Kümmel, ein paar Wacholderbeeren oder Senfkörner
  • 1–2 äußere Kohlblätter zum Abdecken

Zubereitung:

  1. Kohl putzen, äußere Blätter aufheben.
  2. Strunk herausschneiden, fein hobeln oder schneiden.
  3. Salz hinzufügen und kräftig durchkneten, bis Lake austritt.
  4. In einen Steintopf schichten, gut andrücken, bis alles unter Lake steht.
  5. Mit Kohlblatt abdecken und beschweren (z. B. mit einem sauberen Granitstein).
  6. 7–10 Tage warm (20 °C), dann kühl lagern.
  7. Nach 4–6 Wochen genießen.

Wichtig: Das Kraut muss immer unter der Lake bleiben!

🛠️ Praktisches Zubehör zum Sauerkraut selber machen

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unser YouTube-Video wie wir Kraut einmachen:

Sauerkrautkunde – Geschichte und Kultur

Sauerkraut ist mehr als ein deutsches Traditionsgericht – es ist ein Paradebeispiel dafür, wie Menschen schon früh gelernt haben, mit Naturprozessen zu arbeiten, statt sie zu bekämpfen.

Die Idee, Gemüse durch Milchsäuregärung haltbar zu machen, ist uralt – und sie entstand nicht aus Zufall, sondern aus Notwendigkeit. Lange Winter, keine Kühlung, kein Supermarkt. Nur der Wunsch, das zu bewahren, was der Sommer hervorbrachte.

Die Wurzeln der Fermentation

Schon vor tausenden Jahren haben Menschen weltweit erkannt, dass Salz und Zeit Lebensmittel verändern.
Ob Brot, Bier, Käse oder Sauerkraut – alles entsteht durch mikrobielle Zusammenarbeit.
Milchsäurebakterien sind überall vorhanden: auf der Pflanzenoberfläche, in der Luft, auf unseren Händen.
Gibt man ihnen die richtigen Bedingungen – Feuchtigkeit, Wärme und Sauerstoffabschluss –, beginnt ein Prozess, der ganz ohne Chemie funktioniert.

Was beim Fermentieren wirklich passiert

Wenn Kohl gesalzen und zusammengedrückt wird, zieht das Salz Wasser aus den Zellen.
Die Milchsäurebakterien, die auf dem Kohl leben, beginnen nun, den Zucker des Kohls in Milchsäure umzuwandeln.
Diese Milchsäure senkt den pH-Wert, hemmt Fäulnisbakterien – und macht das Kraut haltbar.
Das Ergebnis ist Sauerkraut: sauer, aber lebendig.

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Die europäische Entwicklung

In Mitteleuropa, besonders in Deutschland, Österreich und Tschechien, wurde das Fermentieren von Kohl zur Lebensversicherung des Winters.
Sauerkraut war billig, nahrhaft und lagerfähig – und gleichzeitig die Vitamin-C-Quelle schlechthin, lange bevor man wusste, was Vitamine überhaupt sind.

Im 18. Jahrhundert machte James Cook Sauerkraut weltberühmt: Er nahm es auf seine Schiffsreisen mit, um seine Mannschaft vor Skorbut zu schützen. Das funktionierte – dank der Milchsäurebakterien, die das Vitamin C erhalten.

Klassische Krautanbaugebiete – vom Krautland bis nach Pilsen

Sauerkraut war nie nur ein Küchengericht – es war ein landwirtschaftliches Produkt mit klaren Anbauzentren.
Dort, wo Klima, Böden und Tradition passten, entstanden ganze Regionen, die vom Kohlanbau und der Fermentation lebten.

🇩🇪 Deutschland – das „Krautland“ Europas

Deutschland war über Jahrhunderte das Land des Kohls – daher auch der Spitzname „Krauts“, den britische Soldaten den Deutschen im 1. Weltkrieg gaben.

Bekannte Krautanbaugebiete:

  • Dithmarschen (Schleswig-Holstein):
    Das größte geschlossene Kohlanbaugebiet Europas. Sandiger Marschboden, frische Nordseeluft und reichlich Niederschlag – ideal für kräftige, lagerfähige Weißkohlsorten.
  • Fildern bei Stuttgart (Baden-Württemberg):
    Berühmt für den Filderkrautkohl, eine spitz zulaufende, besonders zarte Sorte. Das daraus hergestellte Filderkraut gilt als Delikatesse.
  • Franken und Niederbayern:
    Besonders rund um Bamberg und den Donau-Isar-Raum wird bis heute Kraut in großen Mengen angebaut und verarbeitet.
  • Hunsrück und Pfalz:
    Eher kleinere Betriebe, aber mit starker regionaler Verarbeitungstradition – Sauerkraut als Wintervorrat ist dort noch selbstverständlich.

  • 🇩🇪 Deutschland: Klassiker – fein gehobelt, mild-säuerlich.
  • 🇫🇷 Elsass: Choucroute garnie – Sauerkraut mit Wurst, Speck und Wein.
  • 🇨🇿 Tschechien: „Kysané zelí“ – kräftiger, oft mit Kümmel und Zwiebel gekocht.
  • 🇵🇱 Polen: Kapusta kiszona – oft mit Pilzen oder Fleisch geschmort.
  • 🇰🇷 Korea: Kimchi – die scharfe Schwester des Sauerkrauts.

🇨🇿 Tschechien – das Kraut des Westens

Auch in Böhmen und Mähren hat der Kohlanbau eine lange Geschichte.
Besonders Westböhmen – rund um Plzeň (Pilsen), Křimice und das Pilsner Becken – war schon im 19. Jahrhundert ein Zentrum für Weißkohl.

Die dortigen Bauern bauten robuste, spätreifende Sorten an, die sich perfekt für die Fermentation eigneten.
In vielen Dörfern war das „kysané zelí“ (Sauerkraut) ein Gemeinschaftsprojekt:
Man traf sich im Herbst zum Schneiden, Stampfen und Einlegen – oft mit Musik, Bier und einem kleinen Fest.

  • In Deutschland, Österreich und Tschechien gehört es bis heute auf den Tisch – ob als Beilage zum Schweinebraten, in der Suppe, oder roh als Salat.
  • Im Mittelalter war Sauerkraut in Klöstern Grundnahrungsmittel.
  • Im 18. Jahrhundert nahm James Cook es auf seinen Weltreisen mit – gegen Skorbut.

Noch heute gibt es im Raum Pilsen und Domažlice kleine Familienbetriebe, die ihr Sauerkraut nach alter Methode im Steinguttopf herstellen und auf Märkten verkaufen.
Der Geschmack ist kräftiger, etwas würziger als das deutsche Pendant – oft mit Kümmel, Lorbeer oder Majoran.


Warum gerade diese Regionen?

Kohl liebt:

  • tiefgründige, humose Böden,
  • gleichmäßige Feuchtigkeit,
  • und kühle Nächte, die Zucker im Blatt halten.

All das findet man in Küstenregionen, Flusstälern und Hochlagen – also genau dort, wo auch heute noch gutes Sauerkraut herkommt.

Sauerkraut und seine Verwandten weltweit

Sauerkraut und seine Verwandten weltweit

Fermentiertes Gemüse gibt es auf allen Kontinenten.
Überall, wo Menschen Kohl, Rüben oder andere Gemüse anbauten, fanden sie denselben Weg: Salz, Druck und Geduld.
So entstand aus Überlebenskunst eine Weltkultur des Haltbarmachens.

Kimchi (Korea)

Chinakohl, Rettich, Knoblauch, Chili und Ingwer – das koreanische Nationalgericht.
Kimchi ist lebendig, scharf und voller Milchsäurebakterien.
Es wird saisonal unterschiedlich zubereitet: im Winter traditionell in Tontöpfen, im Sommer in kühlen Kellern oder heute in „Kimchi-Kühlschränken“.

Kvashenaya kapusta (Russland und Ukraine)

Grob geschnittener Kohl, oft mit Preiselbeeren oder Äpfeln vergoren.
Ergibt ein fruchtig-säuerliches Aroma und wird roh oder gekocht gegessen – besonders im Winter.

Curtido (El Salvador)

Eine lateinamerikanische Variante mit Karotten, Zwiebeln und Oregano.
Wird meist nur kurz fermentiert und zu Pupusas serviert – warm, frisch und leicht säuerlich.

Alle haben eines gemeinsam: Sie beruhen auf echter Milchsäuregärung, nicht auf Alkohol oder Essig.
Das ist Naturchemie pur – und wahrscheinlich die älteste Form der Lebensmitteltechnik, die der Mensch kennt.

Was Sauerkraut kann – Ernährung und Gesundheit

Sauerkraut ist ein echtes Powerfood, auch wenn das Wort heute zu oft für Modeprodukte benutzt wird.
Beim Sauerkraut steckt die Kraft nicht im Marketing, sondern im Prozess der Milchsäuregärung – ein lebendiger Umbau von Kohl in ein bekömmliches, probiotisches Lebensmittel.

Natürlich fermentiert – was im Topf passiert

Bei der Gärung wandeln Milchsäurebakterien den im Kohl enthaltenen Zucker in Milchsäure um.
Das senkt den pH-Wert und konserviert das Kraut ganz ohne Erhitzen.
Nebenbei entstehen Enzyme, Vitamine und bioaktive Stoffe, die im frischen Kohl gar nicht oder nur in geringer Menge vorhanden sind.

Nährstoffe im Überblick

  • Vitamin C:
    Sauerkraut enthält bis zu 20 mg pro 100 g – genug, um den täglichen Bedarf zu einem großen Teil zu decken.
    Früher war das überlebenswichtig, heute ist es ein einfacher Weg, das Immunsystem zu unterstützen.
  • Vitamin K und B-Vitamine:
    Wichtig für Blutgerinnung, Nerven und Energiehaushalt.
    Entstehen und stabilisieren sich durch den Fermentationsprozess.
  • Milchsäurebakterien:
    Diese probiotischen Kulturen fördern eine gesunde Darmflora.
    Ein stabiler Darm bedeutet: bessere Verdauung, gestärktes Immunsystem, ausgeglichener Stoffwechsel.
  • Ballaststoffe:
    Füttern die „guten“ Darmbakterien und sorgen für langanhaltende Sättigung.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe:
    Vor allem Glucosinolate, Flavonoide und Phenole wirken antioxidativ und unterstützen die körpereigene Entgiftung.

Wirkung im Körper

  • Verdauung: Sauerkraut reguliert die Darmtätigkeit – sanft, aber zuverlässig.
  • Immunsystem: Rund 70 % der Immunzellen sitzen im Darm. Eine gesunde Darmflora stärkt die Abwehr.
  • Entzündungshemmend: Milchsäure und Antioxidantien reduzieren stille Entzündungen im Körper.
  • Stoffwechsel: Unterstützt Leber und Bauchspeicheldrüse, verbessert die Nährstoffaufnahme.

👉 Wichtig: Nur rohes, ungekochtes Sauerkraut enthält lebende Milchsäurebakterien.
Im Handel ist das meist die Frischware aus dem Kühlregal.
Pasteurisiertes oder erhitztes Sauerkraut ist zwar haltbar, aber biologisch „tot“.


⚠️ Grenzen und Tipps

Auch beim gesündesten Essen gilt: Maß halten.
Zu viel Sauerkraut kann – besonders bei empfindlichem Magen – Blähungen oder Völlegefühl verursachen.
Ein bis zwei Esslöffel rohes Sauerkraut pro Tag reichen oft schon, um die Darmflora positiv zu beeinflussen.

Und noch ein Tipp: Nicht mit Metalllöffeln hantieren – Milchsäure reagiert mit unedlen Metallen. Holz oder Kunststoff sind besser. Traditionelle Holzzangen gibt es hier: Bei Amazon kaufen

💡 Fazit:
Sauerkraut ist Medizin ohne Beipackzettel – eine natürliche Verbindung aus Pflanze, Mikrobiologie und Zeit.
Es macht nicht satt, sondern stabil.
Ein Lebensmittel, das nicht laut ist, aber im Stillen wirkt.: Nicht pasteurisieren! Nur rohes, ungekochtes Sauerkraut enthält lebende Milchsäurebakterien.
Im Handel ist das meist die „Frischware aus dem Kühlregal“.


Handwerk statt Plastik – das traditionelle Einmachen

Das echte Sauerkraut entsteht im Steinguttopf, der atmen darf. Darunter Holz, Stein, Wasser – nichts Künstliches. Natürlich kann man es auch im Glas einmachen. Dann aber mit einem Gärdeckel, der die Gase entweichen lässt. Gerade für kleine Haushalte oft die bessere Alternative.

Ein sauberer Granitstein als Gewicht tut’s genauso gut wie die teuren Originalgewichte.
Hauptsache, das Kraut bleibt unter der Lake.
Denn wo Luft hinkommt, kommt Schimmel.

So einfach das klingt, so faszinierend ist der Prozess:
Das Sauerkraut macht sich selbst.
Man muss nur loslassen und der Natur die Arbeit überlassen.


🕰️ Fazit – Ein altes Rezept für die Zukunft

Sauerkraut ist mehr als Beilage – es ist ein Stück gelebte Selbstversorgung.
Ein Symbol dafür, dass Verzicht auf Industrie nicht Rückschritt, sondern Freiheit sein kann.

Wer Sauerkraut macht, braucht keine Fabrik.
Nur ein Messer, etwas Zeit – und Vertrauen in die Natur.

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