Ein Sonnenaufgang über den Hügeln des Böhmerwaldes
Frisch gebackene tschechische Rohlíky mit knuspriger Kruste auf Backpapier und Holzbrett, selbstgemachte Salzstangen aus Hefeteig ohne Industrieprodukte

Rohlíky selber backen – tschechische Salzstangen

Es gibt Geräusche, die erklären sich von selbst.
Wenn man ein frisches Rohlík aufschneidet – dieses Knacken – dann weiß man, warum man nicht mehr zum Bäcker geht.

In Tschechien gehören Rohlíky zum Alltag.
Sie liegen dort in Kisten, zu Hunderten, kosten ein paar Cent und sind Grundnahrungsmittel.
In Deutschland kennt man sie höchstens als „Salzstange“.
Also habe ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht selber machen?

Die gute Nachricht:
Man braucht keine Ausbildung, keine Spezialmaschine und kein Marketingwissen.
Nur Mehl, Wasser, Hefe, Salz – und ein bisschen Verständnis für Teig.

Zutaten (Basisrezept)

Für ca. 8–10 Rohlíky:

  • 500 g Weizenmehl (Typ 405 oder 480, 480 kommt dem tschechischen Mehl näher)
  • 300 ml Wasser, handwarm
  • 8 g Salz
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 TL Zucker (nur für die Hefe)

Optional (nicht zwingend):

  • 1 EL helles Backmalz
  • 1 EL Brotgewürz
  • ca. 60 g Butter, weich / angewärmt

👉 Ohne Malz, Gewürz und Butter funktioniert das Rezept genauso.

Hefe vorbereiten

Die Trockenhefe mit dem Zucker mischen.
Einen kleinen Teil des warmen Wassers dazugeben und kurz stehen lassen.

Nach ein paar Minuten sieht man, wie die Hefe anfängt zu arbeiten – es blubbert leicht.
Mehr braucht es nicht.

Teig herstellen

  • Mehl und Salz in eine Schüssel geben
  • Optional Backmalz und Brotgewürz untermischen
  • Hefe-Wasser-Mischung dazu
  • Restliches warmes Wasser nach und nach einarbeiten
  • Butter (falls verwendet) weich unterkneten

Der Teig soll glatt, elastisch und nicht klebrig sein.

👉 Knetzeit: ca. 8–10 Minuten
Das ist entscheidend. Nicht die Hefe ist die Kunst – sondern das Kneten.

Gehzeit

Den Teig abgedeckt an einen warmen Ort stellen (z. B. Heizung).

  • 45 Minuten ruhen lassen
  • Volumen sollte sich mindestens verdoppeln

Nicht zu lange. Wir wollen Luft im Teig, aber keine übertriebene Gärung.

Formen der Rohlíky

  • Teig vorsichtig auf die bemehlte Arbeitsfläche geben
  • Nicht kneten, nicht drücken – Luft im Teig lassen
  • In Stücke à ca. 80–120 g teilen
  • Jedes Stück leicht länglich rollen, typisch gebogen oder gerade

Perfektion ist hier völlig egal.
Rohlíky dürfen aussehen wie Rohlíky – nicht wie Industriegebäck.

Vorbereitung zum Backen (wichtig!)

  • Backofen auf 250 °C vorheizen
    • Umluft, wenn vorhanden
    • sonst Ober-/Unterhitze
  • Eine hitzefeste Schale mit heißem Wasser in den Ofen stellen → Dampf

Die geformten Rohlíky:

  • mit warmem Wasser bestreichen
  • nach Wunsch bestreuen:
    • grobes Salz
    • Kümmel
    • Sesam
    • Mohn
    • Leinsamen

❌ Keine getrockneten Kräuter – die verbrennen bei 250 °C.

Backen

  • Rohlíky in den heißen Ofen schieben
  • 13 Minuten bei 250 °C backen
  • Dampf im Ofen behalten (nicht ständig öffnen)

👉 Jeder Ofen ist anders.
Zwischen 10 und 15 Minuten ist normal.

Fertig sind sie, wenn:

  • die Oberfläche kräftig gebräunt ist
  • es beim Abkühlen hörbar knistert

Ergebnis

Außen knusprig.
Innen luftig.
Kein Vergleich zu Industrieware.

Und jetzt der nüchterne Teil:

  • Materialwert: unter 1 €
  • Arbeitszeit: ca. 15–20 Minuten
  • Weg zum Bäcker: gespart

Dazu kommt:
Du weißt, was drin ist – und was nicht.

Varianten & Abwandlungen

Im Teig funktionieren problemlos:

  • Röstzwiebeln
  • Speckwürfel
  • Kümmel
  • frische Kräuter (untergemischt, nicht oben drauf)

So entstehen jedes Mal andere Rohlíky – ohne neues Rezept.

Fazit

Rohlíky sind kein „Trend“.
Sie sind ein Beispiel dafür, wie einfaches Essen wieder normal werden kann.

Kein Marketing.
Keine Ersatzstoffe.
Kein Grund, dafür Geld auszugeben.

Wenn man einmal verstanden hat, wie Teig funktioniert, erledigt sich vieles von selbst.