Gedanken an einem ehemaligen Grenzzaun
Wenn man heute über die deutsch-tschechische Grenze fährt – durch Wälder, an Feldern vorbei, ganz ohne Schranken oder Kontrolle – denkt kaum noch jemand daran, was dieser Übergang einmal bedeutete.
Hier stand einmal ein Grenzzaun. Und der bedeutete nicht Kontrolle – sondern Trennung.
Nur drei Kilometer Luftlinie von unserem Haus entfernt, begann früher die Sperrzone. Wer sie ohne Erlaubnis betrat, riskierte nicht nur Repressalien – sondern jahrelange Haft. Menschen wurden von Familien getrennt, Wege blockiert, Leben durch eine Linie unterbrochen, die politisch gezogen wurde – aber persönlich spürbar war.
Heute ist diese Linie offen. Menschen fahren täglich hin und her. Zum Tanken, zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Leben. Es ist still geworden an dieser Grenze – zum Glück.
Und doch taucht hin und wieder ein anderes Bild auf: Plötzlich stehen wieder bewaffnete Polizisten am Übergang. Keine Gefahr, kein Vorfall – nur Präsenz. Für Kameras. Für Wirkung. Für ein Gefühl. Für Parolen, die mehr Emotion als Orientierung bieten. Für Probleme, die hier sicher nicht gelöst werden.
Die Grenze als Symbol
Früher stand der Zaun für Abschottung. Heute steht die Grenze manchmal wieder für Unsicherheit – und Symbolpolitik.
Dabei sind es gerade Grenzregionen, die zeigen, wie viel Verbindung möglich ist, wenn man sie zulässt.
Wer sich bewegt, weil er ein besseres Leben sucht, handelt nachvollziehbar – nicht gefährlich.
Wer hier lebt, weiß, dass Offenheit und Verantwortung kein Widerspruch sein müssen.
Und wer Geschichte kennt, weiß, wie leicht aus einem Übergang wieder ein Zaun werden kann – zuerst im Denken, dann in der Wirklichkeit.
Drei Kilometer.
Nur drei.
Und eine ganze Welt dazwischen.
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Zwischen Symbol und Realität.
Zwischen Freiheit – und der Gefahr, sie wieder einzuschränken.
Und manchmal frage ich mich:
Wie viele Zäune müssen erst wieder gebaut werden,
bis wir begreifen, dass sie uns nie wirklich sicher machen?
Vielleicht genügt ja auch ein stiller Blick über die Grenze –
und die Erinnerung daran, dass drei Kilometer manchmal mehr trennen können als ein ganzes Meer.
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