Ein Sonnenaufgang über den Hügeln des Böhmerwaldes
Eine stilisierte Dose mit der Aufschrift "Energiedrinks" und dem Schriftzug "Ein Schluck Energydrink - Pfui Teufel"

Ein Schluck war genug – warum ich nie wieder „Energydrinks“ anrühre

Es ist schon Jahre her. Ich war neugierig, wie Energydrinks schmecken, von dem Jugendliche glauben, es verleihe ihnen Superkräfte. Ein Schluck aus der kleinen Dose, und mein Körper sagte direkt: „Pfui Teufel.“ Süß, chemisch, klebrig. Irgendwo zwischen Zahnarzt-Wartezimmer, Bonbonabteilung und zu heiß gewordener Kinderhustensaft. Mehr wollte ich gar nicht. Ich war wach genug für eine Entscheidung: Das ist nichts für mich.

Und heute, Jahre später, ist es ein Thema für meinen Blog. Nicht, weil ich der erste bin, der so denkt, sondern weil es vielleicht Zeit ist, dass wir alle mal genauer hinschauen, was da drin ist, in diesen Dosen, die so tun, als wären sie flüssige Superkräfte.

Der Moment des Ekels – und was er ausgelöst hat

Ich erinnere mich noch genau: Es war ein Sommertag, ich war unterwegs, müde, und dachte: „Warum nicht mal testen, was alle trinken?“ Also zog ich eine kleine silberne Dose aus dem Kühlregal. Der erste Schluck war wie ein Schlag ins Gesicht. Mein Körper zuckte zusammen. Nicht, weil es besonders stark oder sauer war, sondern weil irgendetwas daran einfach nicht stimmte. Ich schüttete den Rest weg. Und diese Sekunde des Ekels wurde zu einer Erkenntnis: Wenn der Körper so reagiert, dann muss man ihn ernst nehmen.

Seitdem beobachte ich, wie sich dieses Getränkesegment entwickelt. Längst ist es kein Nischenprodukt mehr, sondern Alltagsware für Jugendliche, Berufspendler, Gamer, Nachtschwärmer. Und gerade deshalb lohnt sich ein zweiter, genauerer Blick.

Zutatenliste als Chemie-Cocktail

Hier ein Blick auf eine typische Zutatenliste eines solchen „Energydrinks“ (wie man sie ganz offiziell bei großen Onlinehändlern findet):

  • Wasser
  • Zucker (Saccharose, Glukose)
  • Säurungsmittel: Citronensäure (E330)
  • Kohlensäure
  • Taurin (0,4%)
  • Säureregulatoren: Natriumcarbonate, Magnesiumcarbonate / Trinatriumcitrat (E331)
  • Koffein (0,03%)
  • Glucuronolacton
  • Aromen
  • Farbstoffe: Zuckerkulör (E150c), Riboflavin
  • Vitamine: Niacin, Pantothensäure, B6, B12
  • Inosit (oft als „Vitamin B8“ verkauft, ist aber keins)

Auf den ersten Blick: Viele komplizierte Namen. Auf den zweiten Blick: Eine raffinierte Kombination aus Zucker, Koffein und Marketing.

Zucker: Der schnelle Kick mit dem Absturz

Mit bis zu 27 Gramm Zucker pro Dose liegen Energydrinks im Bereich von „1 Glas Orangensaft“ – nur ohne Frucht, ohne Ballaststoffe, ohne Vitamine, die auch aufgenommen werden. Der Zucker geht direkt ins Blut, lässt den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen, das Insulin folgt auf dem Fuße. Und dann kommt der Absturz. Müdigkeit, Gereiztheit, Heißhunger. Genau das, was Jugendliche in der Schule oder Menschen am Steuer eigentlich nicht brauchen können.

In Kombination mit einer ohnehin schon zuckerreichen Ernährung kann dieser kurze Energieschub langfristig zu Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Fettleber führen – oft unbemerkt, weil man die Auswirkungen erst Jahre später spürt.

Koffein: Der Pulsbeschleuniger

Der Koffeingehalt liegt ungefähr auf dem Niveau einer starken Tasse Kaffee. Klingt harmlos. Ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass diese Getränke häufig in Kombination mit anderen koffeinhaltigen Produkten (z. B. Kaffee, Cola, Tee) oder sogar mit Alkohol konsumiert werden. Das kann zu:

  • Herzrasen
  • Unruhe
  • Schlaflosigkeit
  • erhöhtem Blutdruck
  • und im Extremfall zu Herzrhythmusstörungen

führen. Besonders betroffen: Jugendliche, Kinder, Menschen mit Herzproblemen oder schlicht einem sensiblen Nervensystem. Es gibt dokumentierte Fälle von Krankenhausaufenthalten nach dem Konsum mehrerer Dosen Energydrinks an einem Tag – kein Einzelfall mehr.

Zudem ist Koffein ein Stimulans, das den Körper zwar kurzfristig aktiviert, aber die Ursachen von Müdigkeit nicht löst. Schlafmangel, Stress oder Unterzuckerung verschwinden dadurch nicht – sie werden nur übertüncht.

Taurin, Glucuronolacton & Co.: Der wissenschaftlich unklare Teil

Taurin ist eine Aminosäure, die der menschliche Körper sogar selbst bildet. In Tierfutter ist es Pflichtbestandteil, in Energydrinks ein „Booster“. Die versprochene Wirkung? Nicht eindeutig belegt. Glucuronolacton ist ein Zuckerstoffwechselprodukt – ebenfalls mit unklarer Wirkung. Beide zusammen sollen angeblich die Leistungsfähigkeit steigern. Aber keine unabhängige Studie konnte bisher überzeugend zeigen, dass diese Kombination besser wirkt als pures Koffein. Trotzdem stehen sie drauf. Weil sie cool klingen. Wissenschaftlich ist das alles eher dünn.

Vitamine als Gesundheits-Maske

Niacin, Pantothensäure, B6, B12: Klingt gesund. Ist aber kaum nennenswert wirksam in dieser Form. Es wird suggeriert, dass man mit dem Energydrink seinen Vitaminbedarf deckt. Die Wahrheit: Während man mit über 25 Gramm Zucker pro Dose den Tagesbedarf leicht sprengt, ist die Vitaminwirkung zu vernachlässigen. Die B-Vitamine sind wasserlöslich und werden bei Überdosierung einfach ausgeschieden. Effekt: Null. Außer der Eindruck, man trinke da etwas halbwegs Gesundes.

Farbstoffe, Aromen, Kohlensäure: Die Tarnkappe des Geschmacks

Damit Energydrinks nicht schmecken wie Brause mit alten Batterien, wird mit Aromen und Farbstoffen gearbeitet. Zuckerkulör (E150c), Riboflavin, Ammoniakverbindungen, die für die typische Farbe sorgen. Alles laut Gesetz erlaubt. Aber in einem Getränk, das den Anspruch hat, Leistungsfähigkeit zu fördern, wirken solche Inhaltsstoffe eher wie das Gegenteil von Vitalität.

Werbung gegen Wirklichkeit

Die Werbebotschaft: Flügel, Fokus, Kraft, Lifestyle. Die Wirklichkeit: Zucker, Koffein, Überreizung. Der „Kick“ ist kurz, die Rechnung kommt später. Konzentrationsprobleme, Energieabfall, schlechter Schlaf und langfristig ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Probleme. Und das in einem Getränk, das vor allem von Jugendlichen konsumiert wird, die es am wenigsten brauchen.

Die Suchtformel: Zucker + Koffein + Image

Was diese Energydrinks wirklich effektiv macht: Sie sind gewöhnlich. Der Zucker pusht, das Koffein stärkt den Effekt, das Image suggeriert Lifestyle und Coolness. Und der Körper gewöhnt sich daran. Schnell wird aus dem „Muntermacher“ ein Muss. Wer morgens eine Dose braucht, um überhaupt klarzukommen, ist schon im Teufelskreis.

Was besser wirkt: Bewegung, Wasser, echtes Essen

Der Körper ist kein Motor, der einfach „getuned“ wird. Energie entsteht durch Regeneration, durch gute Nährstoffe, durch Schlaf, Bewegung und vor allem durch Dinge, die nicht auf Etiketten stehen. Wer müdem Geist mit Zucker und Koffein begegnet, bekämpft Symptome, keine Ursachen. Wer wirklich leistungsfähig sein will, braucht keinen synthetischen Cocktail, sondern:

  • Wasser (ja, einfach Wasser!)
  • Bewegung (Puls anregen statt drosseln)
  • Frische Mahlzeiten (statt Zuckerbomben)
  • Pausen (statt Dauerstress)
  • Schlaf (echter, tiefer Schlaf)

Ausblick: Es geht auch anders – ganz ohne Chemie

Mit Beginn des Sommers startet auch die Beerensaison – eine wunderbare Gelegenheit, sich mit natürlichen Lebensmitteln auseinanderzusetzen. Warum nicht selbst eine Limonade machen? Ein Sirup aus Holunderblüten, Himbeeren oder Johannisbeeren, angesetzt mit Zitronensaft, etwas Honig oder einem Schuss Apfelessig, ergibt ein erfrischendes Getränk – ganz ohne künstliche Aromen oder Farbstoffe.

Energy selbstgemacht – ohne Chemiebaukasten

Selbstgemachte Cola? Kein Problem: Mit Limettensaft, Zimt, etwas Vanille, Zitronenzeste, Wasser und Kohlensäure lässt sich ein ganz eigener Geschmack kreieren. Ganz ohne Chemiebaukasten – und ganz nach deinem Geschmack.

Mein Fazit: Mein Körper wusste es sofort

Ich habe diesen einen Schluck nie vergessen. Nicht, weil er so besonders war, sondern weil mein Körper ihn sofort abgelehnt hat. Instinkt ist manchmal klüger als Werbung. Heute weiß ich, warum. Und vielleicht hilft dieser Beitrag auch dir, beim nächsten Griff ins Kühlregal kurz innezuhalten.

Nicht jeder braucht Flügel. Manche brauchen einfach nur Klarheit – oder einen Schluck selbstgemachter Beerensirup mit Sprudel.