Ein neues Medikament verschwindet vom Markt? Nein, ein altes. Eines der bewährtesten. Metformin. Ein Standardmedikament bei Typ-2-Diabetes, kostengünstig, wirksam. Bald vielleicht nicht mehr verfügbar, weil es zu billig ist, um sich an der Abwasserreinigung zu beteiligen. Klingt verrückt? Ist es auch. Doch die eigentliche Frage ist eine andere:
Warum brauchen überhaupt so viele Menschen dieses Medikament?
Die stille Epidemie
Deutschland: Etwa 9 Millionen Menschen leben mit Diabetes, fast alle mit Typ 2. Die Dunkelziffer ist hoch. Jeder zweite weiß es anfangs nicht. Die Kassen zahlen Milliarden für Folgeerkrankungen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputationen, Blindheit, Dialyse.
Typ-2-Diabetes ist keine Schicksalsfrage. Er ist meist eine Wohlstandskrankheit – verursacht durch die Lebensmittel, die wir täglich essen. Und genau da beginnt die Geschichte.
Was auf dem Tisch liegt, landet im Blut
Typ-2-Diabetes entsteht durch eine ständige Überzuckerung. Nicht durch einen Schokoriegel. Sondern durch das, was wir „normal“ nennen:
- Fruchtjoghurt mit 12g Zucker pro 100g (mehr als Cola!)
- „Fitness“-Müsli mit Honigpops
- Ketchup mit 20% Zucker
- Tütensuppe mit Dextrose und Maltodextrin
- „Light“-Produkte mit Kohlenhydraten statt Fett
Der Körper produziert Insulin, um den Zucker in die Zellen zu bringen. Irgendwann reicht das nicht mehr. Die Zellen wehren sich – Insulinresistenz. Der Blutzucker steigt. Dann kommt Metformin.
Die Zutatenliste als Diagnose
Ich habe mir wieder Päckchen angeschaut. Nicht mit Vorurteilen, sondern mit Neugier. Die Schrift ist winzig. Aber wer sich durchliest, erkennt das Muster:
Zucker steht nie allein. Er heißt Glukosesirup, Dextrose, Laktose, Fruktose, Maltodextrin, Invertzucker. Mal ganz vorne, mal versteckt. Aber er ist fast immer drin. Hier eine kostenlose Liste zum Download mit den Namen der verschiedenen Zucker, die auf Zutatenlisten verwendet werden und deren Bedeutung.
Die Zutatenliste ist eine Art Vorabdiagnose. Wer ständig industriell gefertigte Produkte konsumiert, lebt auf einem Blutzucker-Achterbahnkurs. Hunger, Übersättigung, wieder Hunger. Keine Energie, keine Konzentration, aber jede Menge Kalorien. Hier ein weiterer Blogbeitrag zum Thema
Wer verdient daran?
- Die Lebensmittelindustrie, die billige Rohstoffe in „Convenience“-Produkte verwandelt
- Die Pharmaindustrie, die dann Medikamente für die Folgen verkauft
- Die Marketingagenturen, die uns „leichte Küche“ oder „Fit-Food“ auf bunten Verpackungen versprechen
Wir? Wir zahlen doppelt: Mit Geld – und mit Gesundheit. Ich habe es bereits erwähnt: 1 Euro Gewinn der Lebensmittelkonzerne kostet uns etwa 40 bis 50 Euro an Gesundheitskosten. Die unbezahlbare Gesundheit ist dabei noch nicht berechnet.
Und jetzt auch noch Metformin?
Dass ausgerechnet Metformin vom Markt verschwinden könnte, weil es zu billig ist, um für Umweltfolgen einzustehen, zeigt: Das System ist krank.
Es behandelt Symptome, nicht Ursachen.
Nach der neuen EU-Abwasser-Richtlinie (UWWTD) würden die Hersteller an den Kosten einer neuen 4. Abwasserreinigungsstufe in Kläranlagen beteiligt. Diese soll helfen, Arzneimittelrückstände aus dem Abwasser zu entfernen. Metformin wird unverändert mit dem Urin ausgeschieden und dürfte sich somit im Abwasser in relevanten Mengen finden. Metformin ist jedoch so billig, dass die Kosten davon nicht getragen werden könnten. Es ist auch Patentfrei. Viele Generikahersteller teilen sich den Markt auf. Die zusätzlichen Kosten dürften jedoch nicht weitergegeben werden. Somit würde das billige und gut verträgliche Medikament verschwinden.
Geht Diabetes wieder weg? – Ein medizinischer Einschub
Ich bin kein Arzt, aber ich kann recherchieren – und ich lese, was seriöse Quellen sagen. Und die Antwort auf die Frage, die sich viele stellen, lautet:
Ja, Typ-2-Diabetes kann in vielen Fällen durch konsequente Umstellung von Ernährung und Lebensstil in eine sogenannte Remission gehen. Das bedeutet: normale Blutzuckerwerte – ganz ohne Medikamente.
Eine große britische Studie (DiRECT-Studie, 2018) hat gezeigt, dass fast die Hälfte der Patienten ihren Diabetes durch eine strenge Ernährungsumstellung zurückdrängen konnte. Auch Bewegung, Stressreduktion und Gewichtsverlust spielen eine Rolle. Je früher man beginnt, desto besser sind die Chancen.
Natürlich sollte das immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Aber es zeigt: Wir sind dem Ganzen nicht hilflos ausgeliefert. Typ-2-Diabetes ist oft umkehrbar.
Die Alternative: Selbst kochen, selbst denken
Ich habe Diabetes nicht – aber ich habe den Unterschied gespürt. Eine Tütensuppe macht mich träge. Eine selbstgekochte Brühe mit Gemüse, Gewürzen und einem Schuss Rapsöl gibt Energie. Kein Zuckerhoch, kein Absturz.
Hier ein Beispiel für ein diabetikerfreundliches Gericht:
Gemüsepfanne mit Linsen und Kürbiskernen:
- 1 Zucchini, 1 Paprika, 1 Möhre, etwas Lauch in Würfel schneiden
- Mit Rapsöl anbraten
- Eine Handvoll rote Linsen dazu, mit Wasser aufgießen
- Pfeffer, Kurkuma, Kreuzkümmel, etwas Zitronensaft
- Nach 15 Minuten mit Kürbiskernen bestreuen
Kostet weniger als 2 Euro. Kein Päckchen. Kein Blutzuckerschock.
Fazit: Es geht anders
Wir müssen nicht auf die Pharmaindustrie warten. Auch nicht auf die nächste EU-Verordnung. Wir können heute anfangen.
- Zutatenlisten lesen wie ein Arzt einen Blutwert
- Frisch statt verpackt kaufen
- Zucker enttarnen
- Kochen lernen wie unsere Großeltern
Ich merke es selbst: Wenn ich viel Industriefutter esse, bekomme ich Sodbrennen. Wenn ich frisch koche, habe ich keine Probleme. Das ist kein Zufall – das ist Biologie.
Achtsamkeit beginnt beim Einkauf. Und Gesundheit beginnt mit Wissen. Deshalb mache ich diesen Blog.
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, schau auch meinen Artikel über „Chemie in Tüten“ an oder lade dir meine Liste der Zucker-Tarnnamen herunter.
Und bitte: Wenn du einen Diabetiker kennst, schick ihm diesen Beitrag. Vielleicht braucht er bald kein Metformin mehr.



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