Zucker ist überall – in Softdrinks, Müsliriegeln, Fertigsoßen, sogar in Brot oder Suppen. Die Lebensmittelindustrie liebt ihn, weil er billig ist und süchtig macht. Mir ist aufgefallen, dass fertig gekaufte Lebensmittel eigentlich alle gleich schmecken. Kocht man selbst, schmeckt die einzelne Zutat ganz anders. Beispiel Joghurt – ein selbstgemachtes Joghurt mit Früchten hat einen eigenen Geschmack. Fertigjoghurts unterscheiden sich fast nicht. Alle schmecken nach süßen, künstlichen Brei.
Ich sehe deshalb Zucker mit Skepsis. Er ist nicht der Teufel – Marmelade oder ein Zwetschgenkuchen brauchen ihn –, aber die Industrie übertreibt. Hinter der süßen Fassade stecken versteckte Zuckerarten, ein Einheitsgeschmack, der unsere Sinne betäubt, und gesundheitliche Kosten, die niemand auf die Packung schreibt. In diesem Beitrag analysiere ich, wie Zucker uns täuscht – und warum selbst kochen hochwertiger und oft günstiger ist. Als Bonus gibt mein Rezept für Apfeldicksaft – eine regionale Alternative, die jede Fertigmarmelade in den Schatten stellt.
Die vielen Gesichter des Zuckers: Was steckt in unseren Lebensmitteln?
Zucker ist nicht einfach nur der weiße Kristall im Kaffee. Die Industrie hat ein Arsenal an Süßungsmitteln, die alle eines machen: uns süchtig halten, ohne dass wir es merken. Hier ein Überblick über die gängigsten Zuckerarten, die in Zutatenlisten lauern:

- Saccharose (Haushaltszucker): Der Klassiker aus Zuckerrohr oder Rüben. Klingt harmlos, aber in Fertigprodukten oft überdosiert – z. B. 10 g pro 100 g in Müslis.
- Glukose (Traubenzucker): Mild süß, in Softdrinks oder Süßigkeiten als Glukosesirup. Billig, aus Mais oder Weizen, macht z. B. weiche Texturen in Bonbons.
- Fruktose (Fruchtzucker): Süßer als Saccharose, in „gesunden“ Produkten wie Fitnessriegeln oder Fruchtjoghurts als Glukose-Fruktose-Sirup. Problem: Übermäßiger Konsum belastet die Leber.
- Laktose (Milchzucker): In Milchprodukten, aber auch als Füllstoff in Fertigsuppen oder Proteinpulvern. Versteckt und für Intolerante ein Risiko.
- Maltose (Malzzucker): Aus Getreide, in Brot, Bier oder Frühstückscerealien. Gibt malzigen Geschmack, aber immer noch Zucker.
- Versteckte Spieler: Maltodextrin, Dextrin, Fruchtsaftkonzentrat, Agavendicksaft – klingen natürlich, sind aber Zucker in Verkleidung. Beispiel: Ein „gesunder“ Smoothie hat oft 15 g Zucker pro 100 ml durch Konzentrat.
Warum so viele Namen? Die Industrie spielt ein Täuschungsspiel. Wenn sie fünf Zuckerarten statt nur „Zucker“ verwendet, steht keiner oben auf der Zutatenliste – obwohl der Gesamtzuckergehalt hoch ist. Ein Fruchtjoghurt kann 12–15 g Zucker pro 100 g enthalten, das ist so viel wie in Cola. Mein Beitrag „Zutatenliste Lebensmittel: Chemie in Tüten und wie man es besser machen kann“ zeigt, wie solche Tricks funktionieren.
Was bedeutet das? Laut WHO sollten wir maximal 25–50 g Zucker pro Tag essen. Ein Fertigmüsli (30 g Zucker/100 g) mit Joghurt (15 g/100 g) und Saft (10 g/100 ml) sprengt das schon zum Frühstück. Selbst kochen? Mein Joghurt mit Apfeldicksaft hat 2–5 g Zucker pro Portion – und echten Geschmack.
Einheitsgeschmack: Wie Zucker die Vielfalt killt
Die Industrie liebt Zucker, weil er einen Einheitsgeschmack schafft – ein süßes Einerlei, das überall gleich schmeckt, von Berlin bis Rom. Ob Ketchup, Pizza oder Müsliriegel: Zucker ist die Universalwaffe. Er maskiert fade Zutaten, triggert unser Belohnungssystem und macht süchtig. Das Ergebnis? Unsere Geschmacksknospen gewöhnen sich an Überzuckerung und vergessen, wie echte Lebensmittel schmecken – wie die Karotten vom Markt oder die Tomaten aus dem eigenen Garten.

Ein Beispiel: Eine Fertig-Gulaschsuppe aus dem Supermarkt hat 4–6 g Zucker pro 100 g, oft als Glukosesirup oder Karamellzucker versteckt. Selbst gemacht? Ich koche eine Gulaschsuppe mit Rindfleisch, Paprika und Gewürzen aus dem Böhmerwald in 30 Minuten – 0 g Zucker, voller Geschmack. Die Industrie setzt auf Zucker, weil minderwertige Zutaten sonst fade wären. Billiges Fleisch, matschiges Gemüse oder dünne Brühen? Ein Schuss Sirup macht’s „herzhaft“
Das Problem ist nicht nur der Geschmack. Zucker übertönt regionale Aromen – die nussige Note meines Brennnessel-Brots, die Fruchtigkeit meines Apfeldicksafts. Er schafft eine Monokultur, die Vielfalt killt. In Fertigprodukten schmeckt ein Joghurt in Prag wie in Paris, während mein selbstgemachter Joghurt mit Beeren nach Joghurt und Beeren schmeckt. Das Aroma der Beeren kommt zur Geltung, während beim Fertigjoghurt nur die Süße dominiert. Zucker ist wie ein lauter Nachbar: Er übertönt alles, bis man die Feinheiten nicht mehr hört.
Gesundheitlich? Übermäßiger Zucker ist mit Fettleibigkeit, Diabetes und Herzproblemen verknüpft. Für 1 Euro Gewinn der Lebensmittelindustrie wenden wir etwa 40 bis 50 Euro an Gesundheitskosten auf. Schnell gekocht, schnell gegessen, wir verbringen die Zeit beim Arzt im Wartezimmer.
Ökologisch? Zuckerrohr oder Mais für Glukosesirup kommen aus Monokulturen, die Böden zerstören um die Welt gekarrt werden. Mein Apfeldicksaft aus heimischen Äpfeln? Kostenlos bis auf Strom, null Transportwege.
Kosten und Qualität: Warum selbst kochen gewinnt
Zucker mag billig sein – Haushaltszucker kostet 1–1,50 €/kg, Glukosesirup noch weniger –, aber die versteckten Kosten sind hoch. Fertigprodukte mit Zucker sind teuer, weniger nährstoffreich und fördern die Industrie, die ich lieber meide. Selbst kochen ist nicht nur hochwertiger, sondern oft günstiger. Schauen wir’s an:

Kosten von Fertigprodukten:
- Fruchtjoghurt: 0,50–1 € für 200 g, ca. 2,50–5 €/kg. Enthält 12–15 g Zucker/100 g, oft als Sirup oder Konzentrat, plus Verdickungsmittel.
- Müsliriegel: 1–2 € für 50 g, ca. 20–40 €/kg. Bis zu 30 g Zucker/100 g, meist Maltodextrin oder Glukosesirup.
- Fertigsoße: 2–3 € für 400 ml, ca. 5–7,50 €/kg. 5–10 g Zucker/100 g, oft mit Aromen.
- Gesamt: Eine Woche Fertigprodukte (Frühstück, Snacks, Abendessen) kostet 30–50 € für zwei Personen, mit viel Zucker und wenig Nährstoffen.
Selbst kochen:
- Joghurt: 1 Liter Milch (1 €), Joghurtkulturen (0,10 €), Apfeldicksaft (0,50 €). Ca. 1,90 € für 1 kg, 2–5 g Zucker/100 g (aus Dicksaft), reich an Calcium und Eiweiß.
- Brot: 1 kg Vollkornmehl (2 €), Brennnesseln (kostenlos), Sauerteig (0,10 €), Energie (0,50 €). Ca. 2,60 € für 1,5 kg Brot, 0 g Zucker, Ballaststoffe und Eisen.
- Soße: 1 kg Tomaten (2 €), Zwiebeln/Kräuter (1 €), Gewürze (0,20 €). Ca. 3,20 € für 1 Liter, 0 g Zucker, voller Vitamine.
- Gesamt: Eine Woche Essen (Joghurt, Brot, Soßen, Suppen) kostet 15–25 € für zwei Personen, ohne Zuckerbomben, mit regionalem Charakter.
Vergleich:
- Preis: Selbst kochen spart 30–50 % (ca. 15–25 €/Woche vs. 30–50 €). Bei 52 Wochen sind das 780–1.300 € Ersparnis – genug für einen Urlaub im Böhmerwald!
- Qualität: Selbstgemacht ist nährstoffreicher (z. B. Vitamin C in frischem Gemüse, Eisen in Brennnesseln), ohne Zusätze (Maltodextrin, Verdickungsmittel). Der Geschmack? Authentisch, nicht einheitlich.
- Nachhaltigkeit: Regionale Zutaten (Äpfel, Milch, Brennnesseln) sparen Transporte. Mein Apfeldicksaft hat null Transportwege, Fertigmarmelade kommt aus Übersee.
Zeitaufwand:
- Fertigprodukte: Einkaufen (10 Minuten), Öffnen (5 Minuten), oft längeres Aufräumen durch Plastik. Gesamt: 20–30 Minuten pro Mahlzeit.
- Selbst kochen: Einkauf (10 Minuten/Woche), Vorbereitung (5–10 Minuten), Kochen (20–30 Minuten). Masse kochen (z. B. 1 kg Brot, 1 Liter Soße) spart Zeit – 2 Stunden decken Tage.
- Ergebnis: Selbst kochen ist gleich schnell oder schneller, mit weniger Stress und mehr Kontrolle.
Beispiel: Ein Frühstück aus Fertigmüsli (2 €/500 g) und Joghurt (1 €/200 g) kostet 1,50 € pro Person, liefert 20–30 g Zucker und wenig Nährstoffe. Mein Brennnessel-Brot mit selbstgemachtem Joghurt und Apfeldicksaft kostet 0,50–0,70 €, hat 2–5 g Zucker, Eisen, Calcium und Geschmack. Qualität siegt, der Geldbeutel freut sich.
Rezept: Apfeldicksaft – süß, regional, ohne Tricks
Statt industriellem Zucker oder Sirup koche ich Apfeldicksaft – eine nachhaltige Alternative aus heimischen Äpfeln. Er ist perfekt für Joghurt, Brot oder die Beerenernte. Hier mein Rezept, inspiriert von meinen 200 Litern Apfelsaft:
Zutaten :
für ca. 1 Liter Dicksaft
- 10 Liter Apfelsaft (selbstgepresst, regional, z. B. aus Böhmerwald-Äpfeln)
- Keine Zusätze – pure Äpfel!
Zubereitung :
ca. 8–12 Stunden, meist unbeaufsichtigt
- Gieße den Apfelsaft in einen großen, flachen Topf (je breiter, desto schneller verdampft’s).
- Bei schwacher bis mittlerer Hitze (80–90 °C) einkochen, regelmäßig rühren, damit nichts anbrennt.
- Nach 8–12 Stunden reduziert sich der Saft auf 1–1,5 Liter, dick wie Honig. Test: Ein Löffel auf einem kalten Teller sollte nicht verlaufen.
- Heiß in sterilisierte Gläser füllen, umstülpen, abkühlen. Hält 1–2 Jahre.
- Resteverwertung: Schwebstoffe für Apfelmus oder Essig nutzen.
Ergebnis: Ca. 1 Liter Apfeldicksaft, süß, karamellig, mit Spuren von Kalium und Pektin. Kosten: Ca. 3–5 € (Energie), wenn Äpfel gratis sind. Schaut Euch einfach um. Oft bekommt man die geschenkt. Einsatz: Auf Brot mit Frischkäse, in Kuchen oder für Beerenmarmelade. Geschmack? Voller Fruchtgeschmack, nicht Einheitsbrei.
Wer mehr wissen will
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- Zucker: Der stille Killer: Wie uns Zucker krank macht und Wege aus der Abhängigkeit
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Er versüßt unser Leben, macht kurzfristig glücklich, doch sein Nachgeschmack ist bitter: Zucker ist weit problematischer, als die Werbetafeln der Softdrink-Hersteller vermuten lassen – und das nicht nur wegen der gesundheitlichen Probleme, die sein übermäßiger Konsum hervorruft.
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Fazit: Weniger Zucker, mehr Leben
Zucker ist der Liebling der Industrie – billig, süchtig machend, ein Täuschungsmeister. Mit Glukosesirup, Fruchtkonzentrat oder Maltodextrin schafft er einen Einheitsgeschmack, der Vielfalt killt und unsere Gesundheit belastet. Fertigprodukte sind teuer, nährstoffarm und voll versteckter Kosten.
Mein Ansatz?
Selbst kochen – mit regionalen Äpfeln, Grundnahrungsmitteln oder selbstgemachtem Joghurt. Es ist hochwertiger, oft günstiger und gibt Kontrolle zurück. Mein Apfeldicksaft zeigt, wie’s geht: süß, nachhaltig, echt.
Rechenbeispiel: Eine Woche Fertigprodukte kostet 30–50 €, liefert 100–150 g Zucker pro Tag. Selbst kochen kostet 15–25 €, maximal 20–30 g Zucker (aus Früchten, Dicksaft). Ersparnis: 780–1.300 €/Jahr – Zeit für eine Wanderung im Böhmerwald! Qualität? Frische Zutaten, keine Zusätze, Geschmack mit Seele.
Zucker ist okay – in Maßen, bewusst, wie in meinem Zwetschgenkuchen mit Streuseln. Aber die Industrie will uns übersüßen. Ich sage: Lieber Äpfel kochen als Sirup kaufen. In der nächsten Folge zeige ich, wie ich Apfeldicksaft selbst herstelle – regionaler Genuss ohne Tricks. Bis dahin: Lieber backen als Süßkram klicken.
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Links zu Studien:
- Universität Tübingen: Studie zu Zucker und Hirnerkrankungen
- Universität Zürich: Studie zu Zucker und Fettleber
- World Health Organization (WHO): Zuckerempfehlungen
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