Ein Sonnenaufgang über den Hügeln des Böhmerwaldes
Teelichter in einem dunklen Wohnraum während eines Stromausfalls – Teelichtofen als diskutierte Notlösung

Teelichtofen im Stromausfall: Warum er keinen Raum heizt

Großflächiger Stromausfall in Berlin zum Jahresstart 2026. Etwa 40 000 bis 50 000 Haushalte bei Minustemperaturen ohne Strom und Heizung.

Kaum war in Berlin der Strom weg, dauerte es nicht lange, bis ein alter Bekannter wieder auftauchte: der Teelichtofen.
In Kommentaren, Foren und Videos wurde plötzlich wieder ernsthaft darüber diskutiert, ob man damit Räume beheizen oder gar Brot backen könne. Als wäre diese Debatte nie geführt worden.

Ich habe das Thema vor ein paar Jahren schon einmal durchgespielt – praktisch und rechnerisch. Damals nicht aus Neugier, sondern als Warnung. Und genau deshalb lohnt es sich, jetzt noch einmal ruhig darauf zu schauen. Nicht hysterisch, nicht belehrend, sondern nüchtern.

Warum solche Ideen immer wiederkommen

Es ist dunkel, die Heizung bleibt kalt, vertraute Geräusche fehlen. In diesem Moment greift man nach dem, was greifbar ist: Kerzen. Sie spenden Licht, sie spenden ein bisschen Wärme, und sie vermitteln Kontrolle.

Und dann kommt der Blumentopf ins Spiel.
Einfach, billig, scheinbar genial. Wenn etwas warm wird, muss es doch heizen – oder?

Der praktische Test: Mehr als handwarm wird es nicht

Ich habe Teelichtöfen selbst getestet, mehrfach, mit Thermometer.
Das Ergebnis war immer ähnlich: um die 45 Grad Oberflächentemperatur, mehr nicht. Spürbar warm, ja. Aber weit entfernt von „heiß“ oder gar „nicht mehr anfassbar“.

Das ist kein Fehler im Aufbau. Das ist das Maximum dessen, was bei dieser Leistung möglich ist.
Ein Blumentopf erzeugt keine Energie. Er speichert auch keine nennenswerte. Er verteilt lediglich die Wärme der Kerzen zeitverzögert.

Die Rechnung, die niemand gern sieht

Sobald man das Gefühl verlässt und anfängt zu rechnen, wird es ungemütlich.

Ein Teelicht liefert grob 30 bis 40 Watt Wärmeleistung und brennt etwa vier Stunden. Das sind rund 120 bis 160 Wattstunden Energie.
Um einen Raum im Winter nicht auskühlen zu lassen – nicht warm, nur erträglich – braucht man mindestens 1000 bis 1500 Watt Dauerleistung.

Das bedeutet:

  • 100 bis 250 Teelichter pro Tag
  • über 1.000 Teelichter für eine Woche
  • mehrere tausend für einen längeren Ausfall
  • im Winter schnell 10.000 Stück und mehr

Ohne Licht, ohne Kochen, ohne Reserve.
Und ohne ein einziges Sicherheitsproblem mitzudenken.

Hier mein Video dazu aus dem Jahr 2022. An den physikalischen Gegebenheiten hat sich jedoch nichts geändert.

Und dann wäre da noch die Realität

Viele Kerzen in Innenräumen bedeuten:

  • offenes Feuer
  • Sauerstoffverbrauch
  • Abgase
  • erhöhte Feuchtigkeit
  • Brandrisiko, besonders nachts

Gerade in Wohnungen, wie sie in Großstädten typisch sind, wird das schnell gefährlich.
Was draußen als Experiment funktioniert, hat drinnen nichts verloren.

Warum trotzdem immer wieder vom „Brotbacken“ die Rede ist

Brot braucht 180 bis 250 Grad. Gleichmäßige Hitze. Zeit. Kontrolle.
Ein Teelichtofen schafft bestenfalls ein lauwarmes Klima. Was dort als „Backen“ gezeigt wurde, war Trocknen, Vorwärmen oder schlicht gutes Storytelling.

Mit Backen hatte das nichts zu tun.

Ein kurzer Blick auf den Wärmebedarf eines normalen Wohnraums

Nehmen wir keinen Extremfall, sondern einen ganz normalen Wohnraum:
20 m², 2,5 m Raumhöhe, also 50 m³ Luft.
Alt- oder Durchschnittsbau, Winter, draußen ein paar Grad über oder unter null.

Für solche Räume rechnet man – grob, aber realistisch – mit 50 bis 100 Watt Heizleistung pro Quadratmeter, je nach Dämmung, Fensterfläche und Luftwechsel.

Das bedeutet:

  • 20 m² × 50 W = 1.000 Watt (optimistisch)
  • 20 m² × 100 W = 2.000 Watt (realistischer)

Und das ist keine Wohlfühltemperatur, sondern „Temperatur halten“.

Ein Teelicht liefert etwa 30–40 Watt.
Selbst wenn man großzügig rechnet, bräuchte man:

  • 25–30 Teelichter, um theoretisch auf 1.000 Watt zu kommen
  • 50–60 Teelichter für 2.000 Watt

Gleichzeitig. Dauerhaft. Über Stunden.
In einem einzigen Raum.


Damit ist klar:
Was als warme Oberfläche wahrgenommen wird, ersetzt keine Raumheizung, sondern verteilt lediglich die ohnehin vorhandene Kerzenwärme etwas anders.

Was der Stromausfall in Berlin wirklich zeigt

Der Ausfall selbst ist nicht das eigentliche Thema.
Interessant ist, wie schnell alte Mythen wieder hochkommen, sobald Unsicherheit entsteht. Der Teelichtofen ist dabei weniger Technik als Psychologie. Er vermittelt Aktivität, nicht Lösung.

Oder anders gesagt:
Er fühlt sich nach Vorsorge an – ist aber keine.

Warum ich das schon 2022 als Warnung gezeigt habe

Als die Diskussion um Energiemangel, Gaskocher und Teelichtöfen vor ein paar Jahren erstmals Fahrt aufnahm, habe ich dazu ein Video gemacht – nicht aus Sensationslust, sondern aus Sorge.
Damals ging es mir nicht darum zu zeigen, was alles brennt, sondern wie schnell Dinge außer Kontrolle geraten, wenn offene Flammen in Wohnräumen plötzlich als „Lösung“ gelten.

In dem Video habe ich bewusst demonstriert, wie sich ein Wachsbrand entwickelt, warum Wasser dabei keine Option ist und warum gerade in solchen Situationen einfache Mittel wie CO-Warnmelder, Rauchmelder und geeignete Feuerlöschsprays entscheidend sind. Nicht theoretisch, sondern praktisch – draußen, kontrolliert, ohne Showeffekt.

Der Hintergrund war schon damals derselbe wie heute:
Viele Menschen hatten vorher keinerlei Erfahrung mit offenem Feuer in Innenräumen. Kerzen waren Deko, kein Heizkonzept. Sobald aber Teelichtöfen, Gaskocher oder improvisierte Wärmequellen ins Spiel kommen, steigt das Risiko sprunghaft – und zwar unabhängig davon, ob der Strom nur eine Stunde oder mehrere Tage weg ist.

Der aktuelle Stromausfall in Berlin zeigt genau dieses Muster wieder: Kaum ist die Versorgung unterbrochen, flammt nicht nur das Licht der Kerzen auf, sondern auch die alte Diskussion.
Was dabei oft vergessen wird: Wenn man sich auf solche Szenarien vorbereitet, muss man auch darauf vorbereitet sein, sie im Notfall wieder zu beenden. Ohne Feuerwehr, ohne schnelle Hilfe von außen.

Deshalb gehört zur ehrlichen Blackout-Vorsorge nicht nur die Frage „Wie bekomme ich Wärme?“, sondern auch:
Wie lösche ich ein Feuer, wenn etwas schiefgeht?

Hier der Link zum Feuerlöschspray im Video. (Amazon-Affiliate-Link)

Wichtig bei offener Flamme in Innenräumen: CO-Warnmelder (Amazon-Affiliate-Link)


Fazit

Teelichtöfen sind kein Heizsystem.
Sie sind ein warmer Gegenstand mit großer Symbolkraft.

Wer bei einem Stromausfall darüber nachdenkt, sollte nicht basteln, sondern rechnen.
Und wer am Ende bei fünfstelligen Kerzenzahlen landet, merkt meist selbst:
Das Problem liegt woanders.

Der Stromausfall in Berlin ist kein Beweis für die Tauglichkeit von Teelichtöfen.
Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie dringend wir einen nüchternen Blick auf echte Vorsorge brauchen – jenseits von Hypes und Bastelideen.

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