Ein Sonnenaufgang über den Hügeln des Böhmerwaldes

Wer in Tschechien unterwegs ist, stößt früher oder später auf eine braune Flasche mit weißem Schriftzug: Kofola. Für viele Besucher wirkt es wie „die tschechische Cola“. Doch Kofola ist weit mehr als nur ein Ersatz – es ist ein Stück Alltagskultur im Böhmerwald und darüber hinaus.

Ursprung in der ČSSR

Kofola entstand Anfang der 1960er-Jahre in der damaligen Tschechoslowakei. Import-Cola aus dem Westen war kaum erhältlich, also entwickelten Wissenschaftler in einem Pharmaunternehmen einen eigenen Sirup – den sogenannten Kofo-Sirup. Er bestand aus einer Mischung von 14 Kräutern und Fruchtextrakten, darunter:

  • Anis
  • Lakritz
  • Hagebutte
  • Himbeerblätter
  • Nelken
  • Zimt

Dieser Sirup wurde mit Wasser und Kohlensäure vermischt – die Kofola war geboren. Anders als Coca-Cola sollte sie nicht nur „süß und spritzig“ sein, sondern auch eine gewisse Kräuterwürze mitbringen.

Geschmack und Unterschiede zu Cola

Während Coca-Cola auf ein starkes Zusammenspiel von Süße, Vanille und Zitrus setzt, wirkt Kofola herber:

  • Weniger Zucker (traditionell etwa 30 % weniger als Cola)
  • Weniger Kohlensäure, dadurch samtiger im Mundgefühl
  • Kräutrig-herb, mit einer leichten Lakritz-Note
  • Regionalität: Viele Zutaten stammen aus mitteleuropäischem Umfeld

Wer Cola erwartet, ist zunächst überrascht – viele beschreiben Kofola als „Cola mit Kräutertee“ oder „Cola, die im Böhmerwald spazieren geht“.

Kultstatus in Tschechien

Kofola wurde in der ČSSR schnell zum Symbol der eigenen Identität. Während Cola für den Westen stand, entwickelte sich Kofola zum Ost-Klassiker. Noch heute verbinden Tschechen Kindheitserinnerungen mit einer Flasche Kofola:

  • Ferienlager in den 70ern und 80ern
  • Badeseen wie Sycherák
  • Grillabende und Dorffeste

Bis heute ist Kofola das Standardgetränk in tschechischen Restaurants, Kneipen und Imbissbuden – oft sogar aus dem Fass gezapft.

Werbung und Sprüche

Besonders bekannt wurde die Marke durch ihren Slogan:
„Když ji miluješ, není co řešit.“
(„Wenn du sie liebst, gibt’s nichts zu diskutieren.“)

Damit positionierte sich Kofola nicht als Konkurrent von Coca-Cola, sondern als eigene Marke mit Herz und Heimat.

Varianten und heutige Bedeutung

Neben der klassischen „Original“ gibt es inzwischen mehrere Sorten:

  • Citron (Zitrone)
  • Višeň (Kirsche)
  • Bez cukru (ohne Zucker)
  • Kräuterlimonaden wie „Bylinková“

Kofola ist heute einer der größten Getränkehersteller in Mitteleuropa, mit Werken in Tschechien, Slowakei und Polen. Trotzdem bleibt sie stark mit Böhmen und der regionalen Identität verbunden.

Kofola im Böhmerwald

Gerade im Böhmerwald gehört Kofola zur Alltagskultur:

  • In Gasthäusern oft günstiger als Cola oder Fanta
  • Beliebt bei Radfahrern und Wanderern als erfrischendes Getränk
  • In Kombination mit Bier („řezaná Kofola“) eine kuriose, aber verbreitete Spezialität

Wer also im Böhmerwald Urlaub macht, sollte eine Flasche Kofola probieren – nicht als Ersatz für Cola, sondern als eigenständiges Erlebnis.

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