Es ist wieder Sonntag. Die Welt ist noch still, der Kaffee duftet – und ich denke zurück an meine Jugend. An die Schulzeit in den 80ern. Damals, als es in jeder Klasse eine „Klassendicke“ gab – und das war’s. Der Rest war normalgewichtig, ohne dass jemand darüber sprach.
Wir haben gegessen, was es gab. Vieles davon schlicht, manches deftig, aber immer: selbst gemacht. Fertigprodukte waren die Ausnahme. Süßigkeiten – selten. Und Bewegung gehörte zum Alltag. Nicht als Sportprogramm, sondern als Leben.
Heute ist vieles anders. Essen ist jederzeit verfügbar, überall präsent – aber oft ohne Bedeutung. Wir kauen, ohne zu schmecken. Wir essen, ohne hungrig zu sein. Und wir verlieren dabei das Gespür für das, was uns wirklich nährt.
Diese Folge widmet sich dem bewussten Essen. Dem achtsamen Umgang mit unserem Körper – und der einfachen, aber tiefen Frage: Was brauche ich wirklich?
Vielleicht beginnt Achtsamkeit genau dort, wo wir täglich hingreifen – am Teller.
Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist Beziehung – zu uns selbst, zu unserem Körper, zur Welt. Doch in einer Gesellschaft, die ständig unter Strom steht, ist kaum noch Platz für echtes Hungergefühl. Stattdessen essen wir aus Langeweile, aus Frust, aus Gewohnheit – oder einfach, weil es da ist.
Achtsamkeit im Alltag heißt: innehalten. Spüren. Fragen: Warum esse ich gerade? Was esse ich? Und wie fühlt sich das in meinem Körper an?
Wenn Essen zur Nebensache wird, wird Übergewicht zur Hauptsache
Wir essen am Bildschirm. Beim Autofahren. Zwischen zwei Terminen. Doch wenn wir nicht mehr merken, dass wir satt sind, wenn der Geschmack unter der Ablenkung verschwindet, dann essen wir oft mehr – und schlechter. Nicht, weil wir es wollen. Sondern, weil wir den Kontakt zu unserem natürlichen Rhythmus verloren haben.
Achtsamkeit ist keine Diät. Sie ist eine Einladung, zurückzukehren zu einem alten Wissen, das in uns steckt: Der Körper weiß, was er braucht. Wenn wir ihm zuhören.
Bewusst essen heißt: langsam, dankbar, ehrlich
- Langsam essen: Kaue dein Essen. Nicht nur für die Verdauung – sondern damit der Kopf dem Magen folgen kann.
- Ohne Ablenkung essen: Kein Handy, kein Fernseher, kein Multitasking. Nur du, dein Teller, dein Atem.
- Wirklich schmecken: Woher kommt das Essen? Was steckt drin? Was macht es mit mir?
- Dankbarkeit spüren: Für die Nahrung. Für den Moment. Für den Körper, der dich trägt.
Kleine Rituale helfen – auch im Alltag
- Einen Tee bewusst zubereiten und trinken.
- Einmal pro Woche mit der Familie oder Freunden kochen – ohne Verpackung, ohne Lieferdienst.
- Vor dem Essen kurz innehalten: Brauche ich das wirklich? Oder brauche ich eigentlich etwas anderes – Ruhe, Nähe, Bewegung, Trost?
Fazit: Der Weg zur Achtsamkeit führt über den Magen
Essen kann Verbindung sein – oder Ersatz. Es kann nähren – oder betäuben. Wer wieder lernt, bewusst zu essen, beginnt oft eine größere Reise: hin zu mehr Körpergefühl, mehr Zufriedenheit, mehr Klarheit im Leben.
Achtsamkeit ist es nicht, von „Body positivity“ zu sprechen, wenn man sich schlicht nur ungesund ernährt, ständig überfressen ist und die größte Bewegung das Scrollen der Instagram-Timeline darstellt.
Denn Achtsamkeit beginnt nicht erst auf der Yogamatte – manchmal beginnt sie einfach mit einem Bissen, der mit allen Sinnen genossen wird.



Hinterlasse einen Kommentar