Ein Sonnenaufgang über den Hügeln des Böhmerwaldes
Achtsamkeit beginnt mit Anstand

Achtsamkeit beginnt mit Anstand – Gedanken an einem stillen Samstagabend

Es ist Samstag, 23 Uhr. Ich habe noch keinen Beitrag geschrieben. Und ehrlich gesagt – ich habe auch keine Lust auf Worte über Stille, Teezeremonien oder bewusstes Atmen. Ich scrolle durch die Nachrichten. Und bleibe hängen.

Ein Mensch ist gestorben. Felix Baumgartner. Bekannt für seinen Sprung aus der Stratosphäre. Und jetzt springen andere. Auf seinen Tod.

Nicht mit Trauer. Nicht mit Respekt. Sondern mit Hohn.

Achtsamkeit im Alltag beginnt dort, wo der Lärm aufhört – und manchmal genau dort, wo andere beginnen zu schreien. Diese Woche schreien viele. Nicht vor Trauer. Sondern vor Spott.
Ein Mensch ist gestorben. Und statt eines stillen Moments wird applaudiert – weil seine Meinung nicht gefiel.
Dieser Text ist kein Nachruf auf Felix Baumgartner. Es ist ein Nachruf auf den Anstand.

Der Tod als Bühne – was ist mit uns passiert?

In sozialen Medien überschlagen sich die Kommentare.
„Rechter Spinner“ – „Hoffentlich ist er tief gefallen“ – „Selber schuld.“

Was ist mit uns passiert, dass wir den Tod eines Menschen zum moralischen Sieg erklären?
Was sagt das über eine Gesellschaft, in der Anstand nur noch selektiv verteilt wird?

Achtsamkeit heißt nicht Zustimmen – sondern Hinschauen

Ich mochte nicht alles, was Baumgartner sagte.
Vielleicht du auch nicht.
Aber das ist egal.

Achtsamkeit heißt, hinzusehen, ohne sofort zu urteilen.
Ohne den Tod eines Menschen zum Anlass zu machen, sich selbst moralisch zu erhöhen.

Denn wer im Tod noch Recht behalten will, hat vorher schon den Respekt verloren.

Anstand ist keine politische Haltung – sondern eine menschliche

Du kannst links sein, rechts sein, ganz woanders stehen – das ist dein gutes Recht.
Aber wenn ein Mensch stirbt und du klatschst –
dann hast du nicht gewonnen, sondern verloren.

Achtsamkeit beginnt mit Anstand.
Mit dem einfachen Satz: „Das hätte ich so nicht geschrieben.“
Mit dem Gedanken: „Vielleicht war er für jemanden ein Vater, ein Sohn, ein Freund.“

Abschluss: Ein stiller Sonntagmorgen

Vielleicht liest das keiner.
Vielleicht klickt es wieder niemand.
Aber ich schreibe es trotzdem.

Weil Achtsamkeit nicht das ist, was sich gut verkauft.
Sondern das, was bleibt, wenn der Lärm vergeht.

Meinen persönlichen Nachruf auf Felix findest Du auf meinem 2. Blog: Freier Fall und doch ganz oben

Wer über Achtsamkeit redet, darf beim Tod nicht schweigen – vor allem nicht, wenn andere ihn lächerlich machen.
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, sich zu erinnern:
Respekt beginnt da, wo man ihn nicht „verdienen“ muss.

Schreib mir gern, wenn du auch findest, dass wir den Anstand nicht verlieren dürfen – gerade in Zeiten wie diesen. Oder bleib einfach still. Auch das ist okay.