Sonntag, 7 Uhr.
Ein stiller Moment – Zeit für eine unbequeme Frage.
Kein Kalenderblatt-Spruch. Kein Wohlfühlzitat. Sondern:
Darf man den Betrüger betrügen?
Nicht aus Rache. Nicht aus Bosheit.
Sondern aus dem Gefühl, betrogen worden zu sein – vom System selbst.
Zwischen Aufrichtigkeit und Selbstschutz
In den letzten Jahren haben viele erlebt, was es heißt, nicht mehr frei entscheiden zu dürfen.
Ob es um Impfungen ging, Tests, Quarantäne oder das Gefühl, kontrolliert und gedrängt zu werden – es war spürbar:
Vertrauen wurde ersetzt durch Vorschrift.
Und wenn das System dich betrügt – darfst du dann zurückbetrügen?
Nicht mit Waffen. Sondern mit einem ausgedruckten Zettel.
Nicht aus Hass. Sondern um dir deine Freiheit zu bewahren?
Was ist „die richtige Seite“?
Ein paar User auf X diskutieren hitzig.
Einer schreibt: „Ich bin froh, dass Clans dem Staat die Autorität entziehen. Ich habe von einem gefälschten Impfpass profitiert.“
Ein anderer empört sich: „Das ist keine Haltung! Ich hätte nicht mehr in den Spiegel schauen können.“
Ich frage mich: Wer steht hier auf der richtigen Seite?
Die Frage ist nicht neu.
Schon in Diktaturen, Unrechtsstaaten und autoritären Systemen mussten Menschen entscheiden:
Mitlaufen oder leise verweigern?
Mitmachen oder austricksen?
Heldenmut oder Selbstschutz?
Achtsamkeit ist kein Gehorsam
Manchmal wird Achtsamkeit mit Anständigkeit verwechselt.
Mit „immer korrekt sein“. Mit Fügsamkeit.
Aber echte Achtsamkeit ist radikaler.
Sie fragt:
- Was stimmt für mich – tief innen?
- Was verletzt meine Integrität?
- Was ist Lüge, auch wenn es als Regel daherkommt?
Und sie fragt auch:
Bin ich wirklich unmoralisch, wenn ich mich einem unmoralischen System entziehe?
Der moralische Reflex
Natürlich kann man sagen:
„Ein Betrüger zu sein, macht dich auch zum Betrüger.“
Aber ist das immer so?
Wenn dir jemand mit gezinkten Karten gegenübertritt –
darfst du dann trotzdem spielen und verlieren?
Oder darfst du die Karten tauschen, um überhaupt noch eine Chance zu haben?
Es geht nicht um Selbstgerechtigkeit.
Es geht um Würde.
Und vielleicht auch darum, sich selbst zu sagen:
Ich habe nicht aus Angst geschwiegen.
Ich habe nicht aus Schwäche genickt.
Ich habe einen Weg gesucht – nicht um zu zerstören, sondern um ganz zu bleiben.
Fazit
Achtsamkeit ist nicht die feine Klinge der Tugend.
Sie ist manchmal ein rostiger Schlüssel, der ein verbarrikadiertes Fenster öffnet.
Wer betrügt, betrügt.
Aber wer sich wehrt, muss nicht schuldig sein.
Manchmal ist es klüger, ein Schloss zu knacken,
als sich bei Regen vor der verschlossenen Tür zu erkälten –
nur weil jemand meinte, das sei der „richtige Weg“.



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