In Deutschland im Jahr 2025 wird eine jüdische Kundgebung aufgelöst. Die Polizei in Berlin kann für die Sicherheit nicht garantieren. In Deutschland im Jahr 2025 wundern sich Leute, dass „Ausländer“ sie nicht respektieren. Dazu habe ich mir auf meinem 2. Blog „Feldrandnotizen.blog“ Gedanken gemacht.
Ich finde es passt sehr gut zur „Achtsamkeit im Alltag“. Nicht nach irgendwelchen Ausflüchten zu suchen. Auch das ist Achtsamkeit. Die eigene Situation anzuschauen, anzunehmen, dann zu bewerten.
Hier der Beitrag:
Beliebigkeit ist kein Wert – Vom Verrat am Eigenen
Schaue ich mir das moderne Europa an, wüsste ich spontan nicht, wofür es stehen soll. Da ist kein roter Faden, keine identitäre Kraft, kein gemeinsames „Wir“, das etwas bedeutet. Was früher als kulturelle Vielfalt galt, ist heute zu einer haltungsgesteuerten Beliebigkeit verkommen, in der alles Fremde gefeiert und alles Eigene bestenfalls toleriert, meist aber abgewertet wird.
In den USA schwenkt man die Fahne. Man lebt die Idee von Freiheit, von Unabhängigkeit, von „my home is my castle“. In Frankreich wird das Eigene verteidigt: die Sprache, die Küche, die Geschichte. Selbst kleine Völker wie die Tschechen, die Ungarn oder die Finnen halten an ihrem Eigenen fest, schärfen es geradezu in Abgrenzung zur globalen Norm.
Deutschland ist Europa
Und Deutschland? Deutschland steht für Europa. So jedenfalls die offizielle Lesart. Doch Europa steht für alles und damit für nichts. Wer alles gleich macht, löscht Unterschiede. Und wer Unterschiede leugnet, verrät Identität. Die berühmten „europäischen Werte“ sind zu einer Floskel geworden, die man über alles klebt, was man nicht mehr begründen kann. Demokratie, Freiheit, Vielfalt. Aber was bedeutet das konkret? Vielfalt ist kein Wert an sich. Sie ist ein Zustand. Ob er gut ist, hängt davon ab, ob er getragen wird von gegenseitigem Respekt und einem festen Fundament.
Ich erinnere mich gut: Schon vor 40 Jahren fing es an. Der Italiener kam mit der Pizza. Und plötzlich war alles, was aus Italien kam, besser als das Eigene. Der Urlauber kehrte zurück und erzählte nicht etwa vom Respekt für das, was man daheim hatte, sondern davon, wie viel freier, lebendiger, besser die Menschen „dort“ lebten. Egal woher. Hauptsache: nicht deutsch.
Die Pizza als Fortschritt
Es ist nicht die Pizza. Es ist die Haltung. Der Reflex, das Eigene kleinzureden, um das Andere zu erheben. Diese Haltung wurde zur moralischen Maxime. Wer heute noch etwas als deutsch bezeichnet, gerät schnell unter Verdacht. Wer aber sagt, er sei „weltoffen“, bekommt Beifall.
Doch Weltoffenheit ohne Selbstbewusstsein ist kein Wert. Sie ist Preisgabe. Und genau das geschieht. In der Sprache, in der Bildung, im Alltag. Der, der auf das Eigene besteht, wird als gestrig abgetan. Der, der alles aufgibt, gilt als fortschrittlich.
Vielleicht liegt darin ein deutsches Trauma. Die Angst, wieder so zu sein wie früher. Die Angst, national zu denken. Und so übertreibt man in die Gegenrichtung. Statt die eigene Geschichte differenziert und reflektiert zu betrachten, wird sie zu einem ewigen Schuldsiegel. Und aus dieser Schuld ergibt sich für viele nur eine einzige Konsequenz: das Eigene dürfen wir nie wieder ernst nehmen. Wer sich aber selbst nicht achtet, wer sich ständig entschuldigt für seine bloße Existenz, wird im globalen Konzert nicht respektiert, sondern benutzt.
Geben und nichts nehmen dürfen
Das sieht man in der Außenpolitik. Deutschland zahlt, Deutschland liefert, Deutschland hilft. Aber hat es Gewicht? Wird es ernst genommen? Oder ist es das ewige Schuldkonto, auf das jeder einzahlen darf, ohne je etwas zurückzugeben?
Auch im Inneren ist die Richtung eindeutig:
- Die Sprache wird überreguliert, bis man kaum noch weiß, wie man Menschen ansprechen darf.
- Die Geschichte wird gelehrt wie ein endloser Bußgang.
- Die Medien propagieren ein Weltbild, in dem Heimat nur dann einen Platz hat, wenn sie sich gleichzeitig von sich selbst distanziert.
Das Eigene wurde zur Hypothek gemacht. Nicht zur Ressource. Und so entstehen in jungen Menschen keine Wurzeln, sondern Zweifel. Kein Stolz, sondern Scham. Keine Verbindung, sondern Distanz.
Dabei braucht eine Gemeinschaft genau das: Identifikation. Einen Bezugspunkt. Etwas, das nicht verhandelbar ist. Wer immer nur relativiert, wer jede Grenze als Verbrechen begreift, hat am Ende keine Mitte mehr. Und ohne Mitte zerfällt alles.
Vielfalt der Beliebigkeit
Was wir brauchen, ist kein Rückzug in alte Grenzen. Aber wir brauchen wieder ein Bewusstsein dafür, dass man nicht Teil einer Gemeinschaft sein kann, wenn man sich selbst nicht ernst nimmt. Wer sich aufgibt, kann nichts geben. Wer sich selbst nicht ernst nimmt, sollte nicht erwarten, dass er ernst genommen wird.
Es geht nicht darum, gegen andere zu sein. Es geht darum, für etwas zu stehen. Für sich selbst. Für das Eigene. Das bedeutet nicht Abschottung. Es bedeutet Verankerung. Erst wer weiß, woher er kommt, kann offen sein für das, was neu ist. Doch wer sich selbst verleugnet, nimmt das Neue nicht auf – er löscht sich selbst.
Während der Staat postkoloniale Identitäten wissenschaftlich fördern lässt, wäre ein Forschungsprojekt über deutsche Kultur, Brauchtum oder Identitätsbildung bereits ein Skandal. Die Gleichbehandlung endet dort, wo das Eigene beginnt.
Europa braucht nicht mehr Vielfalt. Es hat genug davon. Europa braucht Orientierung. Es braucht Orte, an denen Menschen wissen, wer sie sind. Es braucht Länder, die sich nicht schämen, sondern Verantwortung tragen. Für sich. Und dann auch für andere.
Werte verteidigen – doch welche?
Der US-Vizepräsident J.D. Vance sagte auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 sinngemäß: „Bevor ihr von der Verteidigung eurer Werte redet, solltet ihr euch erstmal darüber klar werden, welche Werte ihr eigentlich habt.“ Er bezog sich dabei auf die Meinungsfreiheit, das Recht auf abweichende Positionen und kritisierte indirekt die europäische Praxis von Zensur und Regulierung im digitalen Raum, etwa durch den Digital Services Act (DSA). Im Gegensatz dazu betonte er das amerikanische First Amendment als unverrückbares Grundrecht.
Das trifft den Nerv. Wir verteidigen Abstraktionen, während wir das Konkrete – Sprache, Kultur, Familie, Zugehörigkeit – preisgeben. Man kann keine Werte verteidigen, wenn man keine mehr formulieren darf. Man kann keine Gemeinschaft schützen, wenn man sie zuvor abgeschafft hat.
Beliebigkeit ist kein Wert. Sie ist der Anfang vom Ende. Und wenn wir nicht wieder lernen, das Eigene als etwas Wertvolles zu begreifen, werden wir bald nichts mehr haben, was es zu bewahren lohnt.



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