Michael Endes Momo ist ein zeitloses Meisterwerk, das eine klare Warnung an unsere moderne Gesellschaft ausspricht: Die grauen Herren, die Zeit stehlen und Menschen zur Effizienz zwingen, sind heute präsenter denn je. In einer Welt, die von Zeitdruck, Produktivität und Konsum beherrscht wird, verkörpern die grauen Herren die zerstörerischen Kräfte unserer Zeit – Konzerne, die Billigproduktion fördern, Politiker, die Nachhaltigkeit ignorieren, und eine Kultur, die Achtsamkeit im Alltag durch ständige Hektik ersetzt. Doch Momo, das Mädchen mit der Fähigkeit, zuzuhören und Zeit zurückzubringen, zeigt uns einen Ausweg. Michael Endes Botschaft ist klar: Phantasie, Achtsamkeit und Gemeinschaft können die grauen Herren besiegen – eine Lektion, die wir dringend brauchen, um eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.
Wer war Michael Ende? Ein Kämpfer für die Phantasie
Michael Ende, geboren 1929 in Garmisch-Partenkirchen, war ein Schriftsteller, der die Phantasie als Gegenmittel zur Uniformität seiner Zeit sah. Sein Vater, der Surrealist Edgar Ende, prägte seine künstlerische Sicht, und die Nachkriegszeit in München zeigte ihm eine Welt voller Konformität. Ende begann als Schauspieler und Dramatiker, doch sein Durchbruch kam mit Werken wie Momo (1973) und Die unendliche Geschichte (1979), die weltweit Millionen Leser begeisterten. Michael Ende prangerte in seinen Büchern die Entfremdung der modernen Gesellschaft an – eine Gesellschaft, die Zeit, Kreativität und Menschlichkeit zugunsten von Effizienz opfert. Seine Vision inspiriert auch meine Idee eines gesellschaftlichen Umbruchs, der Achtsamkeit im Alltag und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt.
Für mich sind Bücher wie Momo oder Die unendliche Geschichte herausragende Werke und aktueller denn je. Hier mein Beitrag zur Unendlichen Geschichte: Michael Ende – Warum die Verfilmung von „Die unendliche Geschichte enttäuscht“
Momo: Ein Kampf gegen die grauen Herren
Michael Endes Momo erzählt die Geschichte eines Mädchens namens Momo, das die außergewöhnliche Gabe hat, anderen zuzuhören und ihnen so ihre Sorgen zu nehmen. In ihrer kleinen Stadt leben die Menschen glücklich, bis die grauen Herren erscheinen – gespenstische Gestalten in grauen Anzügen, die mit kalten Zigarren rauchen und Zeit „sparen“.
Sie überzeugen die Menschen, ihre Zeit in der „Zeitsparkasse“ zu lagern, um später mehr davon zu haben. Doch in Wahrheit stehlen die grauen Herren diese Zeit, und die Menschen werden hektisch, kalt und unglücklich. Kinder haben keine Zeit mehr zum Spielen, Freunde treffen sich nicht mehr, und das Leben wird zur reinen Effizienz. Momo erkennt die Gefahr und stellt sich den grauen Herren entgegen. Mit Hilfe der Schildkröte Kassiopeia und des Meisters Hora, der Hüter der Zeit, entdeckt sie das Geheimnis der Zeit und bringt sie den Menschen zurück. Michael Ende zeigt, wie Phantasie, Achtsamkeit und Gemeinschaft die grauen Herren besiegen können – eine Botschaft, die heute aktueller ist denn je.
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Die grauen Herren heute: Zeitdiebe der modernen Gesellschaft
Die grauen Herren aus Momo sind keine bloße Phantasie – sie leben in unserer Welt, in Form von Strukturen, die Zeit, Kreativität und Menschlichkeit stehlen. Wir arbeiten immer mehr, um Geld zu verdienen, nur um dann Fertignahrung oder Kochboxen zu kaufen, weil uns die Zeit fehlt, selbst zu kochen. Unternehmen fordern ständige Produktivität, Apps und Algorithmen treiben uns zur Effizienz, und die Konsumkultur drängt uns, immer schneller zu leben, zu kaufen und zu entsorgen.
Soziale Medien mit hochtrabenden „Gemeinschaftsregeln“, widersprechen sich selbst. Die Zeitdiebe, an die Michael Ende wohl noch nicht mal gedacht hat. Plattformen die Skandale, die lauten Spieler bevorzugen. Der Deutsche verbringt im Schnitt 1,5 Stunden pro Tag in Sozialen Medien. Bei jüngeren Menschen ist es häufig noch mehr. Reine Zeitdiebe – es geht nicht mehr um Information, um Bildung, es geht nur noch um Laut und Schnell. In der Öffentlichkeit wird verkündet, die „Digitalisierung“ würde das Leben einfacher machen, Zeit sparen. Betrachtet man es jedoch genauer, ist exakt das Gegenteil der Fall.
Der einzelne Vorgang mag vielleicht schneller gehen. Aber durch die Möglichkeit, dass der einzelne Vorgang schneller geht, haben sich die Vorgänge vervielfacht. Wenn man nur die Zeiträuber „WhatsApp“ und Co. anschaut. Früher wurde ein Termin ausgemacht und man ist pünktlich erschienen. In der heutigen Zeit wird ein „Projekt“ daraus gebaut. Zig E-Mails mit Bestätigung, Erinnerung, eine WhatsApp-Gruppe für die Planung, nach dem Termin wird dann alles in hunderten Bildern, Videos und Diskussionsrunden aufgearbeitet. Eigentlich wollte man sich nur zum Kaffee treffen.
Digitalisierung – mehr Aufwand, statt mehr Zeit
Die Politik redet dann noch von „Digitalisierung“ und erfindet im gleichen Zug noch 100 Vorgänge und Dokumentationen. Ein gigantischer Berg an Datenmüll. Die Ausrede ist „wenn man etwas nachweisen muss“. Man kann alles im Leben regulieren, dokumentieren, abspeichern und nach 10 Jahren löschen. Oder man kümmert sich um die wahren Dinge des Lebens. Diese „grauen Herren“ unserer Zeit stehlen nicht nur unsere Zeit, sondern auch unsere Fähigkeit, achtsam zu leben – im Alltag die Schönheit der Welt zu sehen, Beziehungen zu pflegen und kreativ zu sein. Michael Ende warnte uns vor dieser Entwicklung, und seine Worte sind heute dringlicher denn je.

Momo als Vorbild: Achtsamkeit im Alltag als Gegenmittel
Momo zeigt, wie wir die grauen Herren besiegen können: durch Achtsamkeit im Alltag, mit bewusstem Leben. Sie hört den Menschen zu, gibt ihnen Raum und Zeit, und genau das brauchen wir heute. Statt in der Hektik zu versinken, können wir innehalten. Wir können die Vogelstimmen hören, wie der Großvater in meinem letzten Artikel, und die Welt mit offenen Sinnen erleben.
Achtsamkeit im Alltag bedeutet, bewusste Entscheidungen zu treffen. Wir können langlebige Produkte kaufen, regionale Handwerker unterstützen. Zeit für das Wesentliche nehmen, anstatt sie in einem Kreislauf aus Arbeit und Konsum zu verlieren. Vor Ort Gegenseitig unterstützen und nicht erst nach stundenlanger Recherche ein Stück Butter aus China einfliegen lassen. Momo lehrt uns, dass wahre Zeit nicht „gespart“ wird, sondern gelebt – in Gemeinschaft, Kreativität und Freude. Michael Ende hätte diese Art der Achtsamkeit gefeiert, denn sie gibt der Phantasie Raum, die die grauen Herren so fürchten.
Eine Kreislaufwirtschaft: Die Zeit zurückerobern
Die grauen Herren fördern eine Wegwerfgesellschaft, die Zeit und Ressourcen verschwendet. Sie zwingt uns in einen Kreislauf aus Arbeit und Konsum. Wir arbeiten, haben dadurch vermeintlich keine Zeit uns gesund zu ernähren. Dadurch müssen wir Fertignahrung kaufen, weil uns die Zeit zum Kochen fehlt. Ein Teufelskreislauf. So verlieren so die Freude am bewussten Leben. Meine Vision einer Kreislaufwirtschaft ist die Antwort: nur Rohstoffe besteuern, Arbeit steuerfrei machen.
Handwerker wie der Schuster, der langlebige Schuhe herstellt, oder der Bäcker, der gesunde Brote aus regionalen Zutaten backt, würden entlastet. Lebensmittel werden in der Region produziert, die Wirtschaft ist für den Menschen da und nicht umgekehrt. Konzerne, die Wegwerfprodukte herstellen, würden durch hohe Rohstoffsteuern unrentabel. Qualität würde sich durchsetzen – ein Auto, das 50 Jahre hält, oder Schuhe, die repariert werden können, wären günstiger als Billigware.
Regionalität und Nachhaltigkeit würden zur Norm, und die Zeit, die die grauen Herren stehlen, würde zurückerobert. Zeit für Kreativität, Gemeinschaft und ein erfülltes Leben, statt für Arbeit, um Fertignahrung zu kaufen. Michael Ende hätte diese Idee wohl unterstützt, denn sie gibt der Phantasie Raum, die die grauen Herren vertreibt.

Bildung: Kinder wie Momo erziehen
Michael Ende zeigt in Momo, wie Kinder die Welt verändern können, wenn sie lernen, zuzuhören und die Zeit bewusst zu erleben, anstatt in Effizienz zu ertrinken. Unsere Schulen stehlen jedoch ihre Zeit durch uniforme Lehrpläne und Gleichmacherei. Alle lernen denselben Stoff – wie Schillers Glocke, die ausführlich durchgekaut wird und niemand braucht. Im Berufsleben haben die Menschen dann völlig unterschiedliche Anforderungen. Praktische Lebenskompetenzen, wie das Ausfüllen einer Steuererklärung oder der Umgang mit Krediten, das Verstehen von Mietverträgen, werden oft nur am Rande behandelt, wenn überhaupt. Religionsunterricht, der keine Aufgabe der Schulen sein sollte, frisst weitere Zeit. Währenddessen bekommen Kinder keine Chance, ihre Kreativität und Phantasie zu entfalten.
Das Bildungssystem ist für Gleichmacherei, alle müssen die gleiche Prüfung in der gleichen Zeit erfüllen. Noten sind für die Statistik. Verwaltung bekommt Papier, Statistiken, kann Pläne schmieden und Auswertungen erstellen. Die Kinder haben fehlende Unterrichtsstunden, keine Bewegung, dafür aber verschwendete Lebenszeit.
Meine Bildungsvision greift Momos Ansatz auf: eine sprach- und textbasierte KI, die Kinder ermutigt, achtsam zu sein und ihre Zeit bewusst zu nutzen. Statt sie mit standardisierten Inhalten zu belasten, stellt die KI Fragen wie: „Wie könntest du deine Zeit heute sinnvoll nutzen?“ oder „Welche Geschichte würdest du erfinden, um Menschen zu helfen?“
Kinder entwickeln Projekte, die Gemeinschaft und Kreativität fördern – sie könnten einen Plan erstellen, wie sie Nachbarn beim Einkaufen helfen, oder ein Spiel erfinden, das Zuhören und Langsamkeit lehrt. So wachsen sie zu achtsamen Bürgern heran, die die grauen Herren unserer Zeit besiegen, indem sie Zeit für echte Beziehungen und Kreativität schaffen, statt sie in Hektik zu verlieren. Michael Ende hätte wohl diesen Ansatz geliebt, denn er zeigt, wie Zuhören und Phantasie die Effizienz überwindet.
Demokratie und Achtsamkeit: Die grauen Herren vertreiben
Mit Demokratie und Achtsamkeit können wir die grauen Herren vertreiben. Achtsame Bürger, inspiriert von Momo, nutzen soziale Medien, um Reformen zu fordern. Sie filtern den Lärm der Foren und kümmern sich um ihr persönliches Umfeld. Sie wählen Politiker, die Nachhaltigkeit fördern, und boykottieren Wegwerfware zugunsten von Handwerkern.
Diese Bürger sind stärker als Konzernlobbys, weil sie die Konsequenzen ihres Handelns erkennen und für eine Wirtschaft kämpfen, die den Menschen dient. Momo lehrt uns, dass wir gemeinsam die Zeit zurückerobern können – Zeit für Kreativität, Gemeinschaft und ein bewusstes Leben, statt sie in einem Kreislauf aus Arbeit und Konsum zu verlieren. Michael Ende hätte diese Bewegung wohl geliebt, denn sie zeigt, wie Phantasie und Achtsamkeit das Nichts besiegen.
Fazit: Momo siegt – eine neue Zeit beginnt
Die grauen Herren sind in unserer Welt allgegenwärtig, doch Michael Endes Momo zeigt uns, wie wir sie besiegen können: durch Achtsamkeit im Alltag, Phantasie und Demokratie. Indem wir bewusst leben, regionale Handwerker unterstützen, Bürokratie und sinnlose Dokumentationen abschaffen und eine Kreislaufwirtschaft schaffen, erobern wir die Zeit zurück, die die grauen Herren stehlen. Zeit, die wir sonst in Arbeit und Konsum verlieren würden. Wie Momo können wir die Welt verändern – mit einem offenen Ohr, einem freien Geist und der Kraft der Gemeinschaft. Michael Endes Vision gibt uns Hoffnung: Die grauen Herren mögen mächtig sein, aber wir sind stärker, wenn wir zusammenstehen.
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Mehr über Michael Ende und seinem Werk gibt es hier: https://www.phantastische-gesellschaft.de/



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