Ein Sonnenaufgang über den Hügeln des Böhmerwaldes
Kochboxen auf einem Küchentisch mit Plastikmüll neben einem Sack Karotten und Gemüsebrühe für nachhaltiges Kochen.

Kochboxen im Fokus: Bequemlichkeit oder teure Illusion?

Kochboxen wie HelloFresh, Marley Spoon oder Dinnerly sind in aller Munde: Sie versprechen stressfreies Kochen, Zeitersparnis und frische Mahlzeiten ohne Planungsaufwand. Für viele klingt das nach der perfekten Lösung in einer hektischen Welt. Doch ist das wirklich so? Als jemand, der lieber 10 kg Karotten kauft, Gemüsebrühe in Litern kocht und Vorräte anlegt, sehe ich Kochboxen mit Skepsis. Hinter der glänzenden Werbung stecken hohe Kosten, fragwürdige Zutaten, tonnenweise Verpackungsmüll und eine Zeitersparnis, die oft nur auf dem Papier existiert. In diesem Beitrag analysiere ich, was Kochboxen wirklich leisten – und warum ich sie nicht brauche. Stattdessen zeige ich, wie ich mit einfachen Mitteln koche, Zeit spare und unabhängig bleibe. Als Bonus gibt’s mein Rezept für Gemüsebrühe – die Basis für viele Gerichte, die jede Kochbox in den Schatten stellt.

Müll: Verpackung und fragwürdige Zutaten

Ein großer Kritikpunkt an Kochboxen ist der Müll – sowohl der Verpackungsmüll als auch die Qualität mancher Zutaten. Eine typische Kochbox für drei Mahlzeiten (zwei Personen) kommt in einem Karton, gefüllt mit Plastiktüten, Kühlpacks, Styroporisolierung und oft einzeln verpackten Zutaten. Eine Karotte in einer Plastikhülle? Ein Beutelchen Soße für 100 ml? Das summiert sich. Eine Studie aus 2023 schätzt, dass eine HelloFresh-Box pro Mahlzeit etwa 0,7 kg Abfall produziert – im Vergleich zu 0,2 kg für selbst gekaufte Zutaten im Supermarkt. Multipliziert man das auf ein Jahr (52 Wochen), landen bei wöchentlichen Boxen rund 36 kg Müll pro Haushalt nur durch Verpackung im Abfall. Recycling ist keine Lösung: Viele Kunststoffe und Kühlpacks sind schwer wiederverwertbar und enden in der Verbrennung.

Frische Zutaten oder doch nur Industriefood?

Dazu kommt der „Müll“ in den Lebensmitteln selbst. Zwar bewerben Kochboxen frische Zutaten, doch ein genauer Blick zeigt: Viele Komponenten sind industriell verarbeitet. Soßen, Gewürzmischungen oder Marinaden enthalten oft Zusatzstoffe wie Maltodextrin, Verdickungsmittel, Konservierungsmittel oder versteckten Zucker. Hier mein Beitrag zu den Zusatzstoffen der Lebensmittelindustrie: Zutatenliste Lebensmittel

Ein Beispiel: Eine typische Kochbox-Currysoße hat bis zu 5 g Zucker pro 100 ml – selbst gemacht wären es 0 g, wenn man es will. Vorgekochte Nudeln, vakuumiertes Gemüse oder portioniertes Fleisch mögen praktisch sein, aber sie durchlaufen oft industrielle Prozesse, die Frische und Nährstoffe reduzieren. Im Vergleich: Eine Karotte vom Markt oder aus dem eigenen Garten ist unverarbeitet, ohne Plastik und ohne fragwürdige Zusätze. Nudeln machen wir mit der Nudelmaschine in 5 Minuten auch frisch: Philips Nudelmaschine Typ 7000

Die Idee, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, ist ein Verkaufsargument von Kochboxen. Man bekommt genau die Menge, die man braucht – keine Reste. Doch die Realität? Werden Zutaten nicht rechtzeitig verbraucht (z. B. bei Planänderungen), landen sie im Müll, weil sie oft schneller verderben als unverpackte Ware. Außerdem: Wer plant, kauft auch im Supermarkt nur, was er braucht – ohne Einwegplastik. Mein Ansatz zeigt, wie’s geht: Aus 10 kg Gemüse mache ich Brühe oder fermentiere, was übrig ist. Der Abfall? Nahezu null, bis auf ein paar Kompostreste.

Zeitersparnis: Vom Bestellvorgang zum fertigen Gericht

Kochboxen werben mit Zeitersparnis – kein Einkaufen, kein Planen, einfach kochen. Doch wie viel Zeit spart man wirklich? Schauen wir uns den Prozess Schritt für Schritt an:

  • Bestellung: Die Auswahl der Rezepte in der App oder online dauert etwa 10–15 Minuten pro Woche. Dazu kommt das Abo-Management: Liefertermine anpassen, Rezepte ändern, Pausen einlegen. Wer einmal vergisst, die Box zu stornieren, hat eine ungeplante Lieferung am Hals – und zusätzlichen Stress.
  • Lieferung: Man muss Lieferfenster von 2–4 Stunden einplanen, zu Hause sein oder einen Abstellort organisieren. Das bindet Flexibilität. Ein verpasster Kurier? Neue Terminplanung.
  • Vorbereitung: Zutaten auspacken, sortieren und Verpackung entsorgen kostet 5–10 Minuten pro Box. Jede Mahlzeit beginnt mit einem kleinen Logistikakt.
  • Kochen: Die Rezepte sind für 20–40 Minuten ausgelegt, was für Anfänger praktisch ist. Doch viele Gerichte (z. B. ein Curry oder ein Pfannengericht) brauchen selbst gemacht kaum länger.
  • Aufräumen: Verpackungsmüll trennen und entsorgen, Küche reinigen – das dauert 10–15 Minuten pro Mahlzeit, oft mehr als bei selbst gekauftem, weil die vielen Tütchen und Päckchen Arbeit machen.

Gesamt: Pro Mahlzeit investiert man 40–60 Minuten, wenn man Bestellung, Lieferung, Kochen und Aufräumen einbezieht. Dazu kommt die mentale Belastung: Abo-Termine im Kopf behalten, Lieferungen koordinieren. Vergleichen wir das mit einem selbst geplanten Gericht, z. B. einer Gemüsesuppe:

  • Einkauf: 10 Minuten pro Woche (für mehrere Gerichte), z. B. auf dem Markt oder im Discounter.
  • Vorbereitung: Gemüse waschen und schneiden, 5–10 Minuten.
  • Kochen: 20–30 Minuten, oft unbeaufsichtigt, während der Topf arbeitet.
  • Aufräumen: 10 Minuten, weniger Müll, kein Plastikchaos.

Ergebnis: Selbst kochen dauert ähnlich lang – etwa 40–50 Minuten pro Mahlzeit, inklusive Einkauf (verteilt). Die Kochbox spart bestenfalls 5–10 Minuten, kostet aber Zeit für Logistik und Planung. Wer wie ich in Masse kocht (z. B. wych 10 Liter Brühe), spart noch mehr: 2 Stunden Arbeit decken Wochen, ohne Abo-Stress.

Kosten: Was zahlt man wirklich?

Kochboxen sind ein teures Vergnügen. Eine Box für drei Mahlzeiten (zwei Personen) kostet bei HelloFresh etwa 45–50 €, bei Marley Spoon 48–55 €, selbst günstigere Anbieter wie Dinnerly liegen bei 35–40 €. Das macht 5,80–8,30 € pro Portion. Was steckt drin?

  • Zutaten: Karotten, Reis, Hähnchen, Gemüse – Standardware, die im Discounter oder auf dem Markt 50–70 % günstiger ist. Eine Karotte kostet im Supermarkt 0,20 €, in der Box zahlst du indirekt 1–2 €.
  • Logistik: Verpackung, Kühlung, Lieferung und Rezeptentwicklung machen den Löwenanteil des Preises aus. Der Kurier kommt nicht umsonst.
  • Komfort: Der eigentliche Kostenfaktor ist der Service – Bequemlichkeit hat ihren Preis.

Vergleichen wir: Ein selbst gekochtes Gericht wie Linseneintopf, Gemüsesuppe oder Hähnchen mit Beilage kostet im Discounter 2–4 € pro Portion, mit Bio-Zutaten 4–6 €. Konkret:

  • Linseneintopf (4 Portionen): 1 kg Linsen (2 €), 1 kg Karotten (1 €), Zwiebeln und Gewürze (1 €) – 4 €, also 1 € pro Portion.
  • Hähnchen mit Gemüse (4 Portionen): Hähnchen (6 €), Gemüse (3 €), Reis (1 €) – 10 €, also 2,50 € pro Portion.

Für 50 € koche ich eine Woche lang täglich für zwei Personen, nicht nur dreimal. Ein Sack Karotten (10 kg) kostet 10–15 € – daraus mache ich Brühe für Monate. Kochboxen setzen auf den Wow-Effekt („Teriyaki-Lachs!“), aber die Zutaten sind oft nichts Besonderes. Wer plant, bekommt dasselbe günstiger – ohne Abo-Falle.

Im Internet gibt es eine Fülle von Rezeptvorschlägen oder man nutzt einfach die KI wie z. B. Grok und lässt sich dort inspirieren. Das Rezept gibt es dort dann als Übersicht oder bis ins letzte Detail. Ganz wie man persönlich will.

Mein Tipp für das ultimative Rezeptbuch ist das Bayerische Kochbuch (hier bei Amazon kaufen). Das Standardwerk mit vielen Grundrezepten.

Alternative: Kochen mit Plan – und ein Rezept für Gemüsebrühe

Mein Ansatz ist das Gegenteil von Kochboxen: Ich koche mit Plan, in Masse, und mache haltbar, was geht. Statt 200 g Karotten per Kurier kaufe ich 10 kg auf dem Markt oder baue sie an. Statt vorgefertigter Soßen koche ich Grundlagen, die flexibel einsetzbar sind. Das spart Zeit, Geld und Müll – und schmeckt besser. Hier ist, wie ich es mache:

  • Vorräte schaffen: Aus 5 kg Gemüse koche ich 10 Liter Brühe, die ich für Suppen, Eintöpfe oder Soßen nutze. Fermentiertes Gemüse (z. B. Sauerkraut) oder eingelegte Gurken halten ein Jahr und brauchen nur 30 Minuten Vorbereitung.
  • Masse statt Mini-Portionen: Einkaufen für 10 kg dauert nicht länger als für 200 g. Ein großer Topf Eintopf (10 Portionen) ist in 1 Stunde fertig und deckt Tage.
  • Keine Abhängigkeit: Kein Abo, keine Liefertermine, kein Plastik. Ich bestimme, was ich esse, und weiß, was drin ist – keine Zusatzstoffe, kein Zucker.

Als Beispiel teile ich mein Rezept für Gemüsebrühe – die Basis für viele Gerichte, die Kochboxen überflüssig macht:

Rezept: Gemüsebrühe (ca. 10 Liter)

Zutaten (Kosten: ca. 10 €):

  • 2 kg Karotten (2 €)
  • 1 kg Sellerie (2 €)
  • 1 kg Lauch (2 €)
  • 500 g Zwiebeln (0,50 €)
  • 200 g Petersilie (1 €)
  • 3 Lorbeerblätter, 10 Pfefferkörner, Salz nach Geschmack (0,50 €)
  • 12 Liter Wasser

Zubereitung (ca. 2 Stunden, meist unbeaufsichtigt):

  1. Gemüse waschen, grob schneiden (nicht schälen, die Schalen geben Geschmack).
  2. In einem großen Topf (min. 15 Liter) Gemüse, Lorbeer, Pfeffer und Wasser aufkochen.
  3. 1,5 Stunden köcheln lassen, gelegentlich abschäumen.
  4. Durch ein Sieb abgießen, Brühe leicht salzen.
  5. In saubere Flaschen oder Gläser füllen, bei 100 °C 20 Minuten sterilisieren (oder später in Bag-in-Boxes, wie ich’s plane).

Ergebnis: 10 Liter Brühe, haltbar für Monate, ohne Kühlschrank. Kosten pro Liter: 1 €. Einsatz: Suppen, Eintöpfe, Soßen – flexibel und frisch.

Dieses Rezept ist ein Baustein meiner Küche. In einer Folge werde ich zeigen, wie ich die Brühe in Bag-in-Boxes lagere – 5 Liter, steril, ohne Mindestmenge, mit minimalem Abfall (nur der Beutel). Das ist Nachhaltigkeit, die Kochboxen nicht bieten.

Fazit: Weniger arbeiten, mehr Zeit

Kochboxen versprechen viel, halten aber wenig. Der Müll (0,7 kg pro Mahlzeit), die fragwürdigen Zutaten (Zucker, Zusatzstoffe) und die Kosten (7–8 € pro Portion) stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Die Zeitersparnis? Minimal. Bestellung, Lieferung und Verpackungschaos fressen, was das Kochen spart. Mein Ansatz ist anders: Mit Planung, Vorräten und einfachen Mitteln koche ich günstiger, gesünder und freier.

Knapp 3 Wochen Urlaub ohne Kochboxen

Rechnen wir’s durch: Eine Kochbox für 3 Mahlzeiten pro Woche kostet 50 €, also 2.600 € im Jahr. Mein Ansatz: 20 € pro Woche für frische Zutaten, also 1.040 € im Jahr. Ersparnis: 1.560 €. Bei einem Nettostundenlohn von 15 € sind das 104 Stunden weniger Arbeit – 13 Arbeitstage oder knapp 3 Wochen mehr Freizeit. Zeitlich? Kochboxen kosten 40–60 Minuten pro Mahlzeit (inkl. Logistik). Meine Brühe (2 Stunden für 10 Liter) deckt Wochen, Einkauf und Kochen sind gleich schnell, ohne Abo-Ballast. Ergebnis: Ich spare Geld, Zeit und Nerven.

Kochboxen sind eine Option – aber keine Notwendigkeit. Ein Sack Karotten, ein Topf und etwas Planung reichen, um unabhängig zu sein. Meine Brühe ist der Beweis: einfach, nachhaltig, günstig. In der nächsten Folge zeige ich, wie ich sie in Bag-in-Boxes lagere – für noch mehr Freiheit. Bis dahin: Lieber kochen als klicken.

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