Seit 2021 lebe ich in einer Region, die ich „Pilsener Böhmerwald“ nenne – ein Stück Westböhmen, das sich zwischen der Autobahn A6/D5 von Rozvadov nach Pilsen und der Straße I/26 von Folmava nach Pilsen erstreckt. Für mich ist es ein Ort, der Ruhe und Abenteuer verbindet: dichte Wälder, historische Städte und das alles nur einen Katzensprung von Deutschland entfernt. In diesem Beitrag stelle ich euch meine neue Heimat vor – mit Tipps für einen Ausflug, ob zu Fuß, mit dem Rad oder einfach zum Entdecken. Ich zeige euch, warum der Pilsener Böhmerwald perfekt für einen Tagestrip ist und was die größeren Orte wie Pilsen, Domažlice, Bischofteinitz, Stříbro und Bor so besonders macht.
Wo liegt der Pilsener Böhmerwald?
Der Pilsener Böhmerwald ist näher, als man denkt. Stellt euch ein Dreieck vor: Im Osten liegt Pilsen, etwa 50 Kilometer vom Grenzübergang Waidhaus an der A6 entfernt. Dort findet man auch den bekannten Asia-Markt Svata Katharina (Hier im Detail im Beitrag). Im Westen grenzt es an Bayern – von Cham über Furth im Wald führt eine Bundesstraße direkt nach Pilsen, knapp 60 Kilometer von Furth entfernt. Die A6, die von Nürnberg nach Prag führt, ist die Nordgrenze – vom Grenzübergang Waidhaus nach Pilsen sind es nur 45 Minuten Fahrt. Die Straße I/26, die von Folmava aus startet, markiert die südwestliche Linie dieses Gebiets.
Für euch aus Deutschland ist die Erreichbarkeit ein Traum: Von Regensburg sind es 110 Kilometer bis Pilsen, etwa 1 Stunde und 15 Minuten mit dem Auto. Von Nürnberg über die A6 bis Waidhaus sind es 150 Kilometer, rund 1,5 Stunden – und schon seid ihr drüben. Von München aus über Cham und Furth im Wald sind es 180 Kilometer, knapp 2 Stunden. Das macht den Pilsener Böhmerwald ideal für einen Tagesausflug oder Wochenendausflug – nah genug, um morgens loszufahren und abends zurück zu sein.
Was macht die Region aus?
Als ich 2021 hierherkam, war ich sofort fasziniert. Der Český les, ein bewaldetes Hügelgebiet, erinnert an den Bayerischen Wald, nur ohne die Touristenmassen. Rund 20.000 bis 30.000 Besucher kommen jährlich – viele über 50, wie ihr, auf der Suche nach Natur und Geschichte. Pilsen ist das Herz, bekannt für Pilsner Urquell, aber auch Domažlice, Bischofteinitz, Stříbro und Bor haben ihren eigenen Charakter. Es ist eine Mischung aus böhmischer Kultur, alten Geschichten und Landschaften, die zum Verweilen einladen.
Die Region ist nicht nur schön, sondern auch praktisch. Von Deutschland aus seid ihr schnell da – über die A6 bei Waidhaus oder die Bundesstraße von Cham nach Furth im Wald. Und wenn ihr erstmal hier seid, gibt es genug zu sehen, ohne stundenlange Fahrten. Die Entfernungen sind überschaubar: Pilsen nach Stříbro sind es 25 Kilometer, nach Domažlice 40 Kilometer, nach Bischofteinitz 35 Kilometer – alles in unter einer Stunde erreichbar.
Ein persönlicher Blick: Warum ich hier lebe
Vor drei Jahren habe ich mich entschieden, hierher zu ziehen. Ich komme aus Deutschland, aber die Ruhe und die Nähe zur Natur haben mich überzeugt. Der Pilsener Böhmerwald ist kein überlaufenes Reiseziel – und genau das gefällt mir. Ob ich in Pilsen ein Bier trinke oder in Bischofteinitz die alten Gassen erkunde, es fühlt sich immer echt an. Die Menschen sind freundlich, die Preise fair. Wenn man sich auskennt und abseits der Touristenpfade unterwegs ist, findet man viele unentdeckte Juwele. Die Region hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Nicht die großen Touristenziele, sondern die kleinen Besonderheiten mit Charme. Auch die Gastronomie ist nicht für die Touristenströme gedacht, sondern ehrliche und bodenständige böhmische Küche. Folgt im Blog und ihr werdet nicht enttäuscht werden.
Tipps für euren Ausflug
Ihr plant eine Tagestour in den Pilsener Böhmerwald? Hier sind ein paar Ideen, die ihr ohne großen Aufwand umsetzen könnt – perfekt für einen entspannten Tag.

Wandern
Wandern ist hier ein Genuss, vor allem, wenn ihr keine Lust auf anstrengende Touren habt. In Pilsen könnt ihr durch die Altstadt schlendern – 4 Kilometer in 1,5 Stunden, vorbei an der St.-Bartholomäus-Kathedrale und den bunten Häusern. Domažlice bietet einen Rundgang durch die Stadt – 4 Kilometer, flach, in 1,5 Stunden machbar. Ihr seht die Chodische Kultur, die hier seit Jahrhunderten lebt, und könnt in einem Gasthaus einkehren. In Stříbro ist ein Spaziergang zur alten Bergbaustadt ein Highlight – 3 Kilometer in 1 Stunde, mit Blick auf den Marktplatz. Bischofteinitz hat einen Rundweg um die Altstadt – 5 Kilometer in 2 Stunden, leicht hügelig, mit Blick auf das Schloss.
Dazu hunderte Kilometer Wanderwege in teils unberührter Natur. Das Gelände ist hügelig, aber nicht steil. Es bieten sich immer wieder überraschende Ausblicke, man findet verlassene Dörfer und vor allem viel Natur. Wer Ruhe und Natur sucht, ist im Pilsener Böhmerwald am Ziel angekommen.

Radfahren
Mit dem Rad könnt ihr mehr Strecke machen, ohne euch zu hetzen. Annähernd jeder Weg ist als Fahrradweg gekennzeichnet. Abseits der Hauptstraßen lässt es sich sicher auf gut ausgebauten Straßen und Wegen fahren. Es ist wenig Verkehr, die Verkehrsteilnehmer sind rücksichtsvoll. Man kann entspannte Radtouren in leicht hügeligem Gelände unternehmen. Im Blog werde ich Radtouren vorstellen, dazu die Sehenswürdigkeiten beschreiben und auf Details eingehen.
Sehenswürdigkeiten
Die größeren Orte haben einiges zu bieten. In Pilsen ist die Brauerei Pilsner Urquell ein Muss – die Führung dauert 1,5 Stunden, kostet 8 Euro und endet mit einem frischen Bier. Die Geschichte geht zurück bis 1842, als das erste Pils gebraut wurde – heute trinken weltweit Millionen diesen Stil. Domažlice hat das Chodenmuseum – Eintritt 2 Euro, 1 Stunde Besichtigung. Die Choden sind eine alte Volksgruppe, bekannt für ihre Trachten und ihren Widerstand gegen die Habsburger im 17. Jahrhundert. Stříbro lebt von seiner Bergbaugeschichte – bis ins 14. Jahrhundert wurde hier Silber gefördert, und die Altstadt zeigt das noch heute. Bischofteinitz hat ein Schloss – Eintritt 4 Euro, 1 Stunde Führung, mit einer Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert reicht. Bor punktet mit der Burg Přimda – 10 Minuten Aufstieg, Eintritt frei, und eine Geschichte, die ins 11. Jahrhundert zurückgeht.

Hintergründe: Ein Stück Geschichte und Kultur
Der Pilsener Böhmerwald ist mehr als nur Natur. Pilsen war seit Jahrhunderten ein Handelszentrum – im Mittelalter kreuzten sich hier Routen, und das Bier machte die Stadt weltberühmt. Heute leben hier 170.000 Menschen, und die Brauerei zieht jährlich über 200.000 Besucher an. Domažlice war das Herz der Choden – sie bewachten die Grenze und kämpften für ihre Freiheit. Ihr könnt das im August beim Chodenfest sehen – Dudelsäcke und Trachten überall, ein Spektakel seit über 100 Jahren.
Stříbro, Přimda, Bischofteinitz
Stříbro hat seinen Namen vom Silber – im 13. Jahrhundert war es eine der reichsten Städte Böhmens. Die Minen sind längst still, aber die engen Gassen und der gotische Turm erzählen davon. Bischofteinitz war ein Adelssitz – das Schloss, erbaut um 1250, wurde später barock umgestaltet und zeigt heute Möbel und Kunst aus der Region. Bor mit der Přimda-Burg war ein strategischer Punkt – die älteste Steinburg Böhmens, gebaut um 1121, schützte einst die Handelswege.

Praktische Infos für eure Reise
Erreichbarkeit und Öffentlicher Nahverkehr
Der Pilsener Böhmerwald ist von Deutschland aus leicht erreichbar: Über die A6 bis Waidhaus – 150 Kilometer von Nürnberg, etwa 1,5 Stunden Fahrt – oder die Bundesstraße von Cham über Furth im Wald – 60 Kilometer bis Pilsen, rund 1 Stunde. Von Regensburg sind es 110 Kilometer (1 Stunde 15 Minuten), von München 180 Kilometer (2 Stunden).
Gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr
Wer ohne Auto kommt, profitiert vom guten Nahverkehr: Züge fahren stündlich von Pilsen nach Domažlice (40 Kilometer, 40 Minuten, ~2-3 Euro), und Busse verbinden Orte wie Stříbro (25 Kilometer, 30 Minuten), Bischofteinitz (35 Kilometer, 45 Minuten) oder Bor (50 Kilometer, 50 Minuten) – Tickets kosten 1 bis 2 Euro. Sogar kleinere Strecken wie Rozvadov nach Přimda und weiter nach Bor sind bedient – meist 4 bis 8 Busse täglich. Von Domažlice fährt eine kleine „Bimmelbahn“ Richtung Westen, etwa nach Marienbad (60 Kilometer, 1 Stunde 20 Minuten). Fahrpläne gibt’s auf idos.cz – praktisch für einen entspannten Tagestrip.

Nützliche Links für Nahverkehr und Tourismus
Damit ihr eure Reise im Pilsener Böhmerwald noch einfacher plant, hier ein paar hilfreiche Links: Für Fahrpläne und Tickets im tschechischen Nahverkehr schaut auf idos.cz – dort findet ihr alle Verbindungen, auch für Züge und Busse in der Region. Wer mehr über touristische Busse im Bezirk Pilsen wissen will, findet Infos bei idpk.cz. Für Radfahrer gibt’s dort auch Details zu Fahrradbussen: Fahrradbusse Pilsen. Mehr über die Region und Ausflugstipps bietet die Tschechische Zentrale für Tourismus: visitczechia.com. Für Domažlice findet ihr touristische Infos, Ausflugstipps und Details zum Chodenfest auf idomazlice.cz und chodskeslavnosti.cz.
Beste Reisezeit von Frühling bis Spätherbst
Die beste Zeit? Frühling bis Herbst – Mai bis Oktober. Im Sommer liegen die Temperaturen bei 20 bis 25 Grad, perfekt für draußen. Im Winter wird’s kalt, oft unter 0 Grad, aber die verschneiten Wälder haben auch ihren Reiz. Plant 6 bis 8 Stunden für einen Tag: 1,5 Stunden Anfahrt, 3 bis 4 Stunden vor Ort, 1,5 Stunden zurück.
Warum der Pilsener Böhmerwald?
Für mich ist es die Mischung: Natur, Geschichte, Nähe. Ich kann in 25 Minuten von Pilsen in Stříbro sein, in 40 Minuten in Domažlice, in 35 Minuten in Bischofteinitz – und überall gibt es etwas zu sehen. Es ist kein überlaufenes Touristenparadies – und das macht es aus. Ob ihr wandern wollt, radeln oder die Städte erkunden, hier findet ihr euren Platz. Rund 20.000 bis 30.000 Besucher kommen jedes Jahr – viele aus Bayern, manche aus Österreich, und alle nehmen etwas mit: ein Bier, eine Geschichte, ein Stück Ruhe.
Was kommt als Nächstes?
Das war meine Einführung in den Pilsener Böhmerwald. In den nächsten Beiträgen gehe ich tiefer rein: Wo genau kann man das Schloss Bischofteinitz besichtigen? Welche Strecken lohnen sich mit dem Rad von Rozvadov aus? Und was steckt hinter den alten Mauern in Bor? Ich lebe hier seit 2021 und kenne die Ecken, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Was würdet ihr denn machen – lieber zu Fuß losgehen oder aufs Rad steigen? Schreibt’s mir, ich bin gespannt!
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